Ich bin Alltagssexist …. aber ich arbeite daran!

Ich bin ein Alltagssexist. Ich schaue Frauen auf den Hintern und auf ihre Brüste. In der U-Bahn, im Supermarkt oder auch auf der Straße. Werbung mit leichtbekleideten Frauen darin finde ich gut. Wenn mich Frauen nach technischen Sachverhalten fragen, erkläre ich es ihnen anders, als wenn ein Mann mich fragt. Ich verändere das Niveau der Erklärung – nach unten.

Ich schaue beim Überholen von der lahmen Sau vor mir – ist doch bestimmt ‘ne Frau! Wenn ich aus dem Bürofenster jemanden beim Einparken beobachte, der sich besonders kompliziert anstellt, erwarte ich, dass eine Frau aus dem dann parkenden Auto aussteigt. Und wenn ich ehrlich bin: es nervt mich. Und das jeden Tag immer wieder. Ich weiß, dass dieses Verhalten falsch ist. Um genau zu sein, ist es sexistisch. Es entwürdigt andere Menschen, die nicht meinem Geschlecht angehören. Es erklärt sie zu Objekten, raubt ihnen einen Teil ihres Menschseins.

Ich will das alles nicht vorleben, weil es prägt. Noch mehr, es verstärkt und bestätigt sich immer wieder selbst, will mich und andere in vorgegebene Förmchen packen. Förmchen, die nicht zu uns passen. Ich weiß das alles. Ich weiß das alles und dennoch finde ich mich immer wieder in diesem Förmchen. Ich versuche, mich nicht von ihnen formen zu lassen. Versuche auszubrechen, aufzuzeigen, aufzuklären. Es gelingt stellenweise, zeitweise, teilweise. Und dann, wenn ich nicht aufpasse, schnappt das Gummiband zurück und ich ertappe mich wieder dabei, in ihnen zu denken. In diesen Augenblicken schäme ich mich dafür. Vor mir und vor den anderen Geschlechtern.

Dann versuche ich mich zusammen zu reißen, noch besser aufzupassen, noch mehr an mir zu arbeiten. Aber für je zwei Schritte vor kommt gefühlt ein Schritt zurück. Und es wird mir dabei nichts einfach gemacht. Es ist so erschreckend einfach mit zu schwimmen. Ich wurde über die letzten 30 Jahre als Mann sozialisiert. Ich bin in einer sexistschen Umgebung aufgewachsen, ohne das wissen oder reflektieren zu können. Für meine Eltern und mein Umfeld waren die Vorurteile und kleinen Späße gegenüber anderen Geschlechtern kein Problem, wurden auch nicht thematisiert.

Heute weiß ich ob der diskriminierenden Handlungen und Aussagen, musste dieses Wissen aber erst in langen Gesprächen lernen. In langen Gesprächen, in denen mir die Opfer der kleinen Späße und der beleidigenden Äußerungen ihre Sicht, ihr Empfinden und ihre Rezeption dieses, meines Handelns erklärt haben. Es war nicht einfach, zuzuhören, nicht einfach, anzuerkennen, dass ich selbst der Unterdrücker war. Ich brauchte Zeit, zu verstehen, dass ich in dieser Gesellschaft bevorzugt behandelt werde. Ich glaubte, zu den Guten zu gehören und musste feststellen, dass ich trotzdem Schlechtes tat.

Zum ersten Mal mit meinem Handeln konfrontiert sah ich mich gar selbst in der Opferrolle – der Feminismus will mich diskriminieren! Die Beispiele sexistischen Handelns empfand ich als Bedrohung, als Herabsetzung meiner selbst. “So bin ich nicht!”

Heute weiß ich: Ich bin so.

Aber ich will so nicht bleiben. Ich arbeite daran, in langsamen Schritten. Es ist ein schwerer Weg, der sich aber lohnt zu gehen. Und während ich so diesen Weg gehe, sage ich mir, wer und was ich bin, damit ich nicht so bleibe: Ich bin @herrurbach und @acid23 und ich bin Alltagssexist. Ich arbeite daran.

97 Kommentare zu “Ich bin Alltagssexist …. aber ich arbeite daran!”

  1. schwarzblond sagt:

    Ich bin @schwarzblond und auch ich bin Alltagssexistin. Meist als Objekt, aber auch als Subjekt. An letzterem muss auch ich arbeiten.
    Danke für diesen Blogpost!

    Danke.
    From the bottom of my heart.

  2. Sehr schöner Text!

    Die Abwehrhaltung, die hier beschrieben wird, ist beim Thema Sexismus (aber auch Rassismus usw.) wirklich ein Riesenproblem.
    Für diese Themen brauchen wir mMn gleichzeitig mehr Selbstkritik und mehr Nachsicht mit uns selbst. Selbstkritik, weil wir anerkennen müssen, dass wir alle Sexisten/Rassisten/andere schlimme Dinge sind. Nachsicht, weil wir uns deswegen nicht selbst verabscheuen dürfen, sondern es als ein Übel sehen sollten, an dem wir arbeiten müssen.

    • Karin Koller sagt:

      Das finde ich auch.
      Wer sagt, er/sie hätte keine Voruteile, ist sicher nicht ehrlich zu sich selbst.
      Dennoch gibt es so viele Leute, die sich als “liberal” empfinden und nicht merken, wieweit sie durch die Kultur geprägt sind, in der sie aufwuchsen. Hält man ihnen ihre Alltagsrassismen und -Sexismen vor Augen, werden sie noch aggressiv oder fallen aus allen Wolken (ich habe einen Blogeintrag darüber geschrieben ( http://karinkoller.wordpress.com/2011/04/25/integrationsfahigkeit/ ).
      Wenn man erkennt, wieviele Stereotype man lebt, ist man schon einen guten Schritt vorangekommen. Dann kann man an sich arbeiten und – wie du sagst – die richtige Mischung aus Selbstkritik und Nachsicht finden.

  3. Ich bin @SeeroiberJenny. Ich bin Alltagssexist. Meistens als Objekt. Manchmal tappe ich in die Falle zu glauben, emanzipiert zu sein hieße zu ignorieren oder “drüberzustehen” wenn man als Objekt betrachtet wird. Das ist falsch. Vielleicht feige. Aber ich bin jetzt zum 1. Mal geständig.

    Ich bin so stolz auf euch und uns und unseren weiten Weg, den wir gehen wollen. :)

  4. andreas sagt:

    Ehrlich gesagt, es fällt mir nicht nur schwer, auf Brüste und Hintern nicht zu gucken, ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob das wirklich falsch ist. Insbesondere dann, wenn sie von der Trägerin auch noch entsprechend in Szene gesetzt sind. Und damit meine ich verstohlen gucken und mich freuen, nicht etwa hingaffen, hinterherpfeifen, blöde Sprüche reißen und dergleichen. Und ganz heimlich glaube ich ja, daß auch Frauen den Männern ab und zu auf den Schritt gucken, wenn sie denken, dabei nicht erwischt zu werden. Ich glaube, andere Menschen als sexuelle Wesen wahrzunehmen ist noch nicht per se sexistisch. Sie darauf zu reduzieren ist es. Aufgrund des Geschlechts Vorurteile über Fähigkeiten und Leistungen zu haben, das ist sexistisch.

    Und ja, auch mir passiert es immer noch, wenn das Geschlecht nicht spezifiziert ist, automatisch zu denken, es müsse sich um einen Mann handeln. Da bin ich, zu meinem großen Bedauern, auch Alltagssexist.

    • levampyre sagt:

      Okay, aber was bedeutet “Reduktion auf” für dich? Wo ziehst du die Grenze und glaubst du, dass du die Grenze immer da ziehst, wo sie deine Gegenüber gerade gezogen sehen will? Es mag sein, dass ich mir an einem Tag einen weiten Ausschnitt anziehe, weil ich mich gerade sexy fühle und evtl. flirten möchte oder ich mir einfach in dem Oberteil gerade gut gefalle. Aber ich habe dann später am Tage eine Präsentation, wo ich etwas Inhaltliches rüberbringen will oder gerate plötzlich in eine Diskussion, an der ich mich inhaltlich beteiligen will. In dem Moment kann es mir passieren, dass niemand hört, was ich inhaltlich zu sagen habe, bzw. mein Inhaltliches viel höher bewertet, als es tatsächlich ist, weil man von meinem Ausschnitt so angetan ist. Im ersten Falle werde ich auf meinen Ausschnitt reduziert oder im zweiten wird Anderes unter meinen Ausschnitt subsummiert. Auch das empfinde ich Trägerin des Ausschnitts durchaus als diskriminierend, weshalb ich mich schon oft entschieden habe, mich extra mausgrau anzuziehen, damit ich von meinen Mitmenschen nach inhaltlichen Kriterien beurteilt werde. Ich habe festgestellt, dass ich in solchen Fällen oftmals gar nicht angehört werde, auch nicht von denen, die glauben, mich nicht auf meinen Ausschnitt zu reduzieren, sondern evtl. tatsächlich interessant fänden, was ich zu sagen habe. Mein Ausschnitt wird also zum primäre Kriterium für Interaktion mit mir. Da mir das bewußt ist, habe ich auch gelernt, meinen Ausschnitt entsprechend effektiv einzusetzen, damit ich überhaupt angehört werde. Das ist aber ein Teufelskreis, der mir persönlich sehr zu schaffen macht und den ich gerne überwinden würde. Ich würde gerne inhaltlich angehört werden, ohne dafür einen Ausschnitt tragen zu müssen.

      Ich gebe dir Recht damit, dass ich ein sexuelles Wesen bin, daher u.U. von meinen Mitmenschen auch als sexuelles Wesen wahrgenommen werde. Ich finde das ab und an sogar reizvoll und ja, ab und an starre ich auch Männern auf ihre Körperteile – nämlich wenn sie sie irgendwie auffällig präsentieren. Es ist aber möglich, dass es mir , obwohl ich zufällig einen Ausschnitt anhabe, gerade in diesem Moment nicht darum geht, als sexuelles Wesen wahrgenommen zu werden und dass der Ausschnitt vielleicht einfach nur sagt, dass ich keine Zeit hatte, mich umzuziehen bevor ich das Wort ergriffen habe. Wichtig erscheint es mir hierbei, Sensibilität für nonverbale Kommunikation zu entwickeln und das Dikat der Modeindustrie nicht überzubewerten: Ein Ausschnitt allein sagt noch nicht, dass ich gerade (ausschließlich oder primär) als sexuelles Wesen wahrgenommen werden möchte, ebenso wie ein kurzer Rock ja auch nicht sagt, dass ich gerne vergewaltigt werden möchte. Vielleicht empfinde ich auch den Ausschnitt, der dir sofort ins Auge springt, selbst gar nicht als besonders auffällig, weil ich es gewohnt bin, dass Damenmode generell auffälliger ist und mir das daher gar nicht mehr besonders “sexy” vorkommt. Insofern – und auf diesen Punkt will ich hinaus – ist es in den meisten Situationen egal, ob das Starren in meinen Ausschnitt heimlich oder offensiv passiert – solange mein Gegenüber mich als Mensch, der etwas Inhaltliches beizutragen hat, nicht (ausreichend) von meinem Ausschnitt abstrahieren kann, wenn mir das gerade wichtig erscheint.

      Ich will nicht täglich im Kartoffelsack rumlaufen müssen, damit auch der letzte Typ kapiert, dass ich ihn gerade wirklich nicht verführen möchte. Ich will das schon auch deshalb nicht, weil ich gerne angehört werden möchte, obwohl ich eine Frau bin, und das derzeit ohne Ausschnitt noch fast unmöglich ist. Ich muß entweder laut oder sexy sein, damit man mir zuhört. Man bedenke in diesem Zusammenhang den Fall Marina Weisband, die sicherlich etwas zu sagen hat. In der Berichterstattung wird sie aber entweder dafür gelobt, dass sie Stiefel trägt oder dafür, dass sie vollständige Sätze sprechen kann und im Übrigen auch noch Stiefel trägt (denn das ist das Wow daran). Ein unaufgeregtes Lob für ihre von ihren Stiefeln unabhängigen Inhalte scheint derzeit noch unmöglich. Das entspricht meiner obigen Darstellung von entweder “Reduktion auf” oder “Subsummierung unter”. Ich würde dich, Andreas, und viele Menschen, die es ähnlich wie du empfinden, durchaus noch in der “Subsummierung unter” Gruppe erkennen. Auch diese Handhabe gegenüber weiblichen Menschen empfinde ich nicht als der Weisheit letzten Schluß.

      • Liz sagt:

        Ok du findest dich super, ist angekommen.

      • Zammy sagt:

        Joa, also wenn ich eine Präsi im Hawaihemd mit 4 geöffneten Knöpfen (Brusthaar) und Bermudas zelebriere würde ich vermutlich auch mit fehlgeleiteter Auferksamkeit zu kämpfen haben.

        Spaß beiseite… zwischen Mausgrau und Ausschnitt bis zum Bauchnabel gibt es einige Grauschattierungen mehr und vl. solltest Du einfach mal an deinem Vortagsstil arbeiten antsatt dich exzessiv mit Klamottenfragen zu beschäftigen?

        Ich sehe schon dass einige deiner Punkte berechtigt sind aber sorry, mit Aussagen wie:”Da mir das bewußt ist, habe ich auch gelernt, meinen Ausschnitt entsprechend effektiv einzusetzen, damit ich überhaupt angehört werde” machst Du dich direkt zur Sexismus-Täterin. Da hilft es nicht dass Du Dich auch in diesem Satz per se als Opfer siehst…

  5. Michael Jespersen sagt:

    Ich bin @jespimaik und bin Alltagssexist. Ich musste Ende der 70iger Jahre stricken lernen, ich musste “Anja Meulenbelt – Die Scham ist vorbei” lesen und “Svende Merian – Der Tod des Märchenprinzen”. Danach war ich traumatisiert, denn ich musste lernen, dass ich als Mann ein grundsätzlich schlechter Mensch bin… Gerettet hat mich die Antwort auf das Buch von Svende Merian “Arne Piewitz (Henning Venske) – Ich war der Märchenprinz”. Seitdem kann ich Frauen, die ich schön finde, wieder ohne schlechtes Gewissen anschauen, Männer auch, aber da ist die Auswahl deutlich eingeschränkter. Ich habe bei nervigen Autofahrern den Fahrer mit Hut im Sinn, Frauen fahren erfahrungsgemäß besser!
    Wenn ich Menschen technische Sachverhalte erklären soll, nervt mich meistens die von mir empfundene Ignoranz dem Thema gegenüber so sehr, dass ich schnell arrogant werde. Das schlägt bei Männern deutlicher und schneller durch als bei Frauen, da ich hier automatisch ein besseres Verständnis voraussetze. Bei Frauen bin ich viel geduldiger. Meiner Erfahrung nach haben genauso viele Männer wie Frauen Probleme mit dem technischen Verständnis. Ich bin kein Unterdrücker, ich werde unterdrückt! Nicht von Männern, nicht von Frauen, sondern von Arschlöchern! Ich bin ein Mann und ich werde ein Mann bleiben, das Umerziehungsexperiment der 70iger ist gescheitert und das ist auch gut so! Ich bin kein Arschloch! Ich ertrage Witze wie: “Was ist ein gelöstes Problem? Ein Mann in Salzsäure” ohne dass ich mich grämen muss. Ich muss daran arbeiten, nicht doch noch irgendwann zum Arschloch zu werden.
    Ich bin Pirat und werde die Welt verändern.

    • Heide Hagen sagt:

      Michael :-)
      Nach Stephans Definition bin ich nämlich auch Alltagssexist, habe ich belustigt festgestellt. Ich schaue mir gerne einen schönen, runden Frauenbusen an – obwohl ich nur sehr selten Lust habe, mit einer Frau ins Bett zu gehen – und ich hege jedes einzelne meiner vielen Vorurteile, weil sie mir Spaß machen, denn sie verschaffen mir emotionale Erleichterung.
      Ich kann das tun, denn ich weiß, dass sie gegenstandslos sind. Und alle, die hier antworten, wissen das von ihren Vorurteilen, habe ich den Eindruck.
      Ich mag sexistische Witze in jede Richtung. Und ich mag männliche Männer und weibliche Frauen, und mich faszinieren weibliche Männer und männliche Frauen. Alles Männliche und alles Weibliche ist schön und interessant, weil es Unterschiede schafft, und im Spannungsfeld dieser Unterschiede werde ich kreativ und lustvoll und zärtlich.
      Der 70er-Jahre-Feminismus hat bei mir Verheerungen angerichtet. Kate Millett hat mich um ca zwanzig Jahre erfüllten Sex gebracht, und nach dem “Märchenprinzen” hatte ich das schreckliche Gefühl, dass ein Großteil der Frauen schlicht dumm ist. Diskriminiert worden bin ich von Frauen genauso wie von Männern, nur von Frauen hat es mich härter getroffen.
      Selbstreflektion und Respekt sind ohne Zweifel die Handlungweisen, die die Welt verändern werden. Sie bewahren einen Menschen davor, Arschloch zu sein. Ich habe viele Feministen als unreflektiert und respektlos erlebt und – viel schlimmer – als humorlos ;-) Das gleiche gilt für viele Menschen, die sich irgendeinem – Ismus verschrieben haben.
      Alltagsvorurteile sind nicht das Problem, wenn man ein einigermaßen reflektierter Mensch ist. Sich selbst und andere zum Täter oder zum Opfer zu machen ist das Problem. Wichtig ist für mich, in jedem Moment in der Lage zu sein, meine Alltagsvorurteile fahren zu lassen und meinem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen. Ich übe noch.

  6. Ich bin @authmillenon und ich bin Alltagssexist. Und danke für diesen Artikel. Versuche das schon seit Wochen selbst in Worte zu fassen, ohne dass es zu entschuldigend wirkt. Der Artikel trifft es relativ genau.

  7. Frank sagt:

    Ich schaue bei Frauen zuerst auf Busen oder Hintern (kommt auf die Richtung an), wenn jemand schlecht Auto fährt gehe ich unabhängig vom Geschlecht davon aus, dass die Fahrerin oder der Fahrer aus Ennepetal stammt und ich versuche prinzipiell jegliche Sachverhalte so einfach wie möglich zu erklären. Werbung mit leichtbekleideten Damen oder Herren sehe ich nicht per se als sexistisch an, aber wenn beschwere ich mich immer beim Werberat, was auch schon oft Erfolg gezeigt hat. Darüber hinaus habe ich schon viel Frauen zu mehr Emanzipation ermutigt und hasse es, wenn sich Frauen selbst diskriminieren. Ich habe Vorurteile bis zum Abwinken, aber ich bin kein Alltagssexist.

  8. Thomas Maier sagt:

    Ich werde aus diesem Artikel nicht schlau. Was soll noch mal genau passieren? Wir sollen den Reiz aus unserem Gehirn entfernen? Wir sollen die Stimulation löschen? In der Öffentlichkeit also den Reiz vollkommen ausblenden aber in der Privatsphäre soll er plötzlich wieder da sein? Ohne Reiz ist Geschlechtsverkehr nicht möglich. Und wenn wir uns schon das Stimulierende abtrainieren, wieso laufen wir dann nicht alle komplett nackt rum? Was für einen großen Wert hat es eigentlich, wie ein Pornodarsteller in der Öffentlichkeit aufzutreten? Wenn es einen Vorteil aus dieser Mode gibt, ist er dann so groß, dass es sich lohnt die Großartigkeit der Lust aufzugeben? Die Lust auf den Körper aufgeben, nur für ein bisschen Freizügigkeit? Früher waren Frauen Sexobjekte, weil sie von Männern dazu gezwungen wurden. Dann kam die Frauenbewegung und nun wollen Frauen von sich aus Sexobjekte sein. Das ist der eigentliche Grund der Freizügigkeit. Nicht dieses elende Pamphlet von der sogenannten Freiheit der Wahl, sondern der Imperativ der Geilheit. Man muss und will geil wirken. An dessen Ende steht die Pornographie. Herausstellung des Selbst. Aus der Pornographie des Außen (Pornographische Kunst, Literatur, …) wurde die Pornographie des Innen (YOUporn, …). Dass die Lust per se sexistisch ist, ist also Schwachsinn würde ich behaupten.

    • viirus42 sagt:

      Ich glaube nicht, dass das anschauen des anderen Geschlechts hier der Kernpunkt ist. Viel “wichtiger” ist das schließen auf bestimmte Eigenschaften anhand des Geschlechts und umgekehrt. Es geht nicht darum, die Stimulation oder den Reiz abzuschalten, sondern darum, Menschen nicht auf ihr Aussehen zu reduzieren und einem bestimmten Geschlecht bestimmte Eigenschaften zuzuschreiben.

      • Ja genau das trifft es auf den Punkt. Ich erwische mich z.B. immer wieder dabei, Menschen mit afrikanischer Abstammung als gute Tänzer und Sänger zu klassifizieren. Das ist rassistisch:

        “Rassismus liegt immer dann vor, wenn bestimmte Merkmale von Menschen (z.B. Hautfarbe, Asylbewerbung, Geschlecht usw.) mit bestimmten Eigenschaften gekoppelt werden (z.B. wenn von der Hautfarbe und Herkunft auf die geistige, kriminelle oder sexuelle Energie oder anderes geschlossen wird) und durch diese Konstruktion eine Bewertung entsteht.”
        Ein weiteres trauriges Beispiel für über Jahrhunderte perpetuierte rassistische Unterdrückung ist der Umgang mit angehörigen der Rom-Völker.
        “Rassistische Theorien dienen in der gesellschaftlichen Praxis dazu, die Begründungen zu liefern um Menschen zu unterscheiden, sie auszugrenzen und letztendlich von bestimmten Ressourcen auszuschließen.”
        Angehörige der Rom-Völker sind europaweit nahezu gänzlich ausgeschlossen von Ressourcen wie Bildung und soziale Sicherheit…

        Aufmerksame selbstkritische Reflexion hilft hier weiter. Denn, wer will das schon, eigentlich meinen wir es alle nicht böse!

  9. @lainee42 sagt:

    Ich bin ein Alltagssexistin. Ich schaue Männern auf den Hintern und auf ihre Brust. In der U-Bahn, im Supermarkt oder auch auf der Straße. Werbung mit leichtbekleideten Männern darin finde ich gut.

    Wenn mich Männer nach Lebensmitteln in Kühlschränken fragen, erkläre ich es ihnen anders, als wenn eine Frau mich fragt. Ich verändere das Niveau der Erklärung – nach unten.

    Ich schaue beim Überholen von der lahmen Sau vor mir, ist doch bestimmt ein Mann! Wenn ich aus dem Bürofenster jemanden beim Einparken beobachte, der sich besonders kompliziert anstellt, erwarte ich, dass ein Mann aus dem dann parkenden Auto aussteigt.

    Und wenn ich ehrlich bin: es nervt mich. Und das jeden Tag immer wieder. Ich weiß, dass dieses Verhalten falsch ist. Um genau zu sein, ist es sexistisch. Es entwürdigt andere Menschen, die nicht meinem Geschlecht angehören. Es erklärt sie zu Objekten, raubt ihnen einen Teil ihres Menschseins.

    Ich will das alles nicht vorleben, weil es prägt. Noch mehr, es verstärkt und bestätigt sich immer wieder selbst, will mich und andere in vorgegebene Förmchen packen. Förmchen, die nicht zu uns passen. Ich weiß das alles. Ich weiß das alles und dennoch finde ich mich immer wieder in diesem Förmchen.

    Ich versuche, mich nicht von ihnen formen zu lassen. Versuche auszubrechen, aufzuzeigen, aufzuklären. Es gelingt stellenweise, zeitweise, teilweise. Und dann, wenn ich nicht aufpasse, schnappt das Gummiband zurück und ich ertappe mich wieder dabei, in ihnen zu denken. In diesen Augenblicken schäme ich mich dafür. Vor mir und vor den anderen Geschlechtern.

    Dann versuche ich mich zusammen zu reißen, noch besser aufzupassen, noch mehr an mir zu arbeiten. Aber für je zwei Schritte vor kommt gefühlt ein Schritt zurück. Und es wird mir dabei nichts einfach gemacht. Es ist so erschreckend einfach mit zu schwimmen.

    Ich wurde über die letzten 40 Jahre als emanzipierte Frau sozialisiert. Ich bin in einer sexistschen Umgebung aufgewachsen, und kann das alles wissen oder reflektieren. Für meine Eltern und mein Umfeld waren die Vorurteile und kleinen Späße gegenüber anderen Geschlechtern ein Problem, wurden auch thematisiert. Ich lache trotzdem.

    Heute weiß ich ob der diskriminierenden Handlungen und Aussagen, musste dieses Wissen nichtmal in langen Gesprächen lernen. Weil ich selbst Opfer der kleinen Späße und der beleidigenden Äußerungen anderer war.

    Es war einfach, zuzuhören, einfach, anzuerkennen, dass ich selbst auch Unterdrücker war. Ich hatte alle Zeit, zu erkennen, dass ich in dieser Gesellschaft trotzdem bevorzugt behandelt werde, wenn ich mich nur durchsetze. Ich glaubte, zu den Guten zu gehören und musste feststellen, dass ich trotzdem Schlechtes tat.

    Zum ersten Mal mit meinem Handeln konfrontiert sah ich mich gar selbst in der Opferrolle – der Feminismus will mich diskriminieren! Die Beispiele sexistischen Handelns empfand ich als Bedrohung, als Herabsetzung meiner selbst. “So bin ich nicht!”
    Heute weiß ich: Ich bin so.

    Aber ich will so nicht bleiben. Ich arbeite daran, in langsamen Schritten. Es ist ein schwerer Weg, der sich aber lohnt zu gehen. Und während ich so diesen Weg gehe, sage ich mir, wer und was ich bin, damit ich nicht so bleibe: Ich bin @lainee42 und ich bin Alltagssexistin. Ich arbeite daran.

  10. jakub sagt:

    So sehr ich einige Teile des Textes unterstützen kann, so sehr verstört mich einiges. Ja klar. Wir alle, ob Männer oder Frauen sind Alltagssexisten und vielleicht auch schlimmeres. Männer wie Frauen reduzieren ihr gegenüber gerne auf die für sie in dem Moment relevanten Kriterien. Das sind oft körperliche Attribute, aber nicht nur. Ebenso kann man auf eine gewisse Fähigkeit, Charakterzug, Verhaltensweise reduziert werden.
    Das ist alles soweit normal und wird sich auch durch guten Willen nicht ändern lassen. Wichtig ist, und das seht ihr richtig, es kommt auf die eigene Reflektion an.
    Ziel kann es nicht sein, dem Menschen beizubringen keine Vorurteile zu haben. An diese Aufgabe muss der Mensch scheitern. Ziel kann nur sein, dass man sich bewusst macht, das Vorurteile eben Vorurteile sind und keinesfalls die Realität abbilden.
    Ich möchte aber auch auf die Vorteile von Vorurteilen verweisen. Ich kenne ebenso die Situation, dass ich aufgrund meiner persönlichen Erfahrung immer davon ausgehe, dass ich bestimmte Themen Frauen, Kindern, Alten, Fremden oder halt allen die anders sind als ich, anders vereinfacht erkläre. Umso schöner ist es doch dann festzustellen, dass diejenige Person doch viel mehr auf dem Kasten hat, als gedacht. Für die auf meinen Erfahrungen beruhende Annahme des Gegenteils, muss ich mich dennoch nicht entschuldigen. Zumindest solange das Vorurteil nicht zu einem urteil wird. Ein Vorurteil ist ja eben deswegen ein Vourteil, weil es eben noch nicht entschieden ist, sondern fortlaufend geprüft wird.
    Vorurteile rastern gewissermaßen die Realität vor und das ist ok so. Vielleicht nicht ideal, aber man raubt demjenigen auch nicht gleich “einen Teil seines Menschseins”.

    Sie sagen sie sind ein Alltagssexist, weil sie Frauen auf Hintern und Brüste schauen. Mal abgesehen davon, dass ich nicht erkennen kann worin darin der Sexismus liegt, finde ich diese Haltung sehr prüde. Außerdem schließe ich die Frage an, ob gleiches auch gelten würde, wenn eine Frau (oder ein homosexueller Mann)auf den Hintern (oder ein anderes Merkmal) schaut oder wenn das Objekt nicht die Brust sondern z.B. das Handgelenk ist. Ein Blick kann meiner Meinung nach nicht wirklich reduzieren, denn er sagt nichts darüber aus, wie der Blickende den Rest wahrnimmt? Ich reduziere ja auch niemanden auf seine Haare, wenn ich feststelle, dass er/sie eine neue Frisur hat. Finde eure Einleitung daher unpassend. Wer den Blick auf eine Person mit Sexismus gleichsetzt begeht einen Fehler.

    Die Botschaft ihres Textes ist doch: ich bin ein böser Mann. Ich will nicht böse sein, aber ich bin es weil mein Umfeld bla,bla,bla. Wo liegt die Erkenntnis? Zumal ich auch Ihre Geschichten nicht glaubwürdig finde. Sie erzählen immer nur von flüchtigen ersten Eindrücken. Aber nie davon wie sie mit der Frau vom Parkplatz umgehen, wenn sie ihr Auto verlassen und das Büro betreten hat. Natürlich denken sie mal wenn im Wagen vor ihnen jemand scheiße fährt, “Das kann nur eine Frau” sein. Und dann fahren Sie vorbei, sehen einen älteren Herren und denken sich “Boah, alten Leuten sollte man den Führerschein wegnehmen, die fahren noch beschissener als Frauen.”. Mit der Person hat das gar nichts zu tun und ich werde mich auch nicht bei meinem Opa entschuldigen, wenn ich mich das nächste mal von ihm fahren lasse. Denn mit alten Leuten hat das nichts zu tun!

    Ich hätte ihre Selbstendeckung auch viel ehrlicher gefunden, wenn sie nicht ausschließlich auf Mann zu Frau ausgefallen wäre. Ihr “Mea culpa” wirkt somit vielmehr wieder verzweifelte Versuch sich als Feministen-Versteher zu positionieren. Am Ende fehlt vielleicht noch eine Entschuldigung dafür zu existieren.

    • schwarzblond sagt:

      Lieber Jakub.

      Die Botschaft des Texts ist nicht “ich bin ein böser Mann”, sondern “die Autoren sind reflektierende Männer”.
      Und kein Mensch, erst recht nicht die, die in der Lage sind ihr eigenes Handeln und Denken kritisch zu reflexieren, müssen sich für ihre Existenz entschuldigen.

      “Das ist alles soweit normal und wird sich auch durch guten Willen nicht ändern lassen.”
      Es ist eben nicht normal. Es wird uns ansozialisiert. Ja, Menschen denken in Mustern und daher wird es wohl in absehbarer Zeit keine Welt ohne Vorurteile geben. Aber wir können alle versuchen, uns ein Stück weit von diesen Vorurteilen zu lösen. In unserer Gesellschaft werden Frauen immer noch in unzähligen Situationen nur aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert. Bei Männern ist das weitaus seltener der Fall. (Wenn auch nicht weniger verwerflich.)

      “Umso schöner ist es doch dann festzustellen, dass diejenige Person doch viel mehr auf dem Kasten hat, als gedacht.”
      Ich habe diese Reaktion gerade im Job schon so unendlich oft erlebt und jede Frau, die ich kenne, kennt das. Und es nervt! Es ist ja schön, wenn irgendwann hinterher diese Erkenntnis kommt, aber die voreingestellte Geringschätzung der Qualifikation sorgt erst einmal dafür, dass die betreffende Person es extra schwer hat, dieses Vorurteil zu entkräften. Genau daher kommt das schon fast sprichwörtliche “Frauen müssen immer eine Schippe drauf legen”.

      Und zu guter letzt, weil es vermeintlich das trivialste ist:
      “Wer den Blick auf eine Person mit Sexismus gleichsetzt begeht einen Fehler.”
      Es geht nicht um den Blick! Die Einleitung des Textes zeigt ganz deutlich, wie sehr wir in unserer Gesellschaft Menschen nach Geschlecht unterscheiden. Und ohne diese Unterscheidung gäbe es keinen Seximus.
      Niemand hat behauptet, dass ein Blick ein Fehler sei. Nur leider ist so unendlich vielen Menschen nicht klar, wo ein Blick aufhört und Anstarren anfängt. Denn genau da fängt die Objektivierung an.
      Und sieht man einmal nur noch ein Objekt, ist auch die Hemmschwelle zu einem sexistischem Kommentar oder schlimmeren Formen der Belästigung nicht weit.

      Es gilt wie immer: Wehret den Anfängen.
      Wer aber einmal sexistisch sozialisiert ist (hint: wir alle), für den ist es schwierig und anstrengend dagegen anzuarbeiten.
      Aber es lohnt sich.

    • Yuri sagt:

      @jakub: Die Frage ist eben, was wir aus diesen Vorurteilen machen. Dass sie entstehen, kann man vielleicht nicht immer verhindern – wie man damit umgeht aber schon. Und wenn man daraus irgendwas ableitet, und sei es auch nur ein ‘witziger’ Kommentar, so zementiert das eben womoeglich die Bildung selbiger Vorurteile bei einem selbst und bei anderen.

      Zwar bin ich nicht der Ansicht, dass das Ansehen von von einem selbst als huebsch empfundenen Menschen sexistisch ist [auch nicht, wenn man dabei eine Unterteilung nach sexueller Praeferenz vornimmt] – jedoch waere dem so, wenn man daraus eine Unterscheidung in der Behandlung selbiger ableitet. Entweder sexistisch oder anderweitig diskriminierend.

      Und viele Leute denken eben tatsaechlich nicht oft weiter als ihre Vorurteile – oder lassen das zumindest nicht durchblicken. Zumal ich vorurteilsbehaftete Witzchen mindestens als unpassend, wenn nicht sogar beleidigend und diskriminierend empfinde [nicht nur in Bezug auf mich selbst, sondern allgemein]. Wenn man diese Vorurteile ueberwinden will, was in meinen Augen das Ziel sein sollte, kann es nur funktionieren, wenn man sich zunaechst von darauf basierenden Verhaltensweisen loest. Dafuer muss man diese Verhaltensweisen aber auch erkennen.

      Und wie sollen zwei Maenner von ihrem eigenen Alltagssexismus von Richtung Frau zu Mann schreiben? Die Erkenntnis liegt meines Erachtens in “ich mache Fehler, bin aber bereit, das zu aendern”.

  11. Hirsch4u sagt:

    Ich bin @hirsch4u und fand den Artikel interessant. Ich fühle mich von freizügig gekleideten Frauen belästigt – von Männern auch. Es hat alles seinen Platz. Bikini am Baggersee geht klar, im Büro nicht.
    Wenn ich Frauen oder Männern etwas nicht verständlich erklären kann, dann liegt es an mir. Ich denke bisweilen in Schubladen – aber die sind alle gleich groß. Ich bin unvollkommen, ich mache Fehler im Umgang mit beiden Geschlechtern. Ich versuche es mit Humor zu nehmen. Ich laufe nicht bauchfrei oder in Radlerhosen durch die Fußgängerzone. Ich finde Machos peinlich und Emanzen auch!

  12. Stephan sagt:

    Posted by laprintemps?
    Im Text steht “als Mann sozialisiert”.

    @Laura Schmalenbach
    Finde ich gut, dass du Rassismus erwähnst. Das gehört durchaus zusammen. Menschen werden als anziehend oder abstoßend empfunden – wegen ihres Aussehens.

    Will mal jemand über den eigenen Alltags-Rassismus bloggen? Wäre mutig.

    • Hab ich weiter oben getan, ein noch dazu passendes Beispiel, welches ich garnicht hinschreiben will, so sehr schäme ich mich deswegen, ist dass ich meinen Geldbeutel lokalisiere wenn mir Rom-Kinder entgegen kommen… :( Rom-Völker sind heutzutage eine total heterogene Gruppe und es ist bitter nötig, rassistische Vorurteile ihnen gegenüber schnellstmögliche zu benennen und abzubauen!

    • acid sagt:

      Yoar, hab (noch) keinen Account hier.
      Über nen Text zum Thema Alltags-Rassismus habe ich sogar schon nachgedacht ;)

  13. Holger Bähren sagt:

    Ich bin Holger Bähren und ich bin Alltagssexist.
    Danke für diesen Artikel, er hat mir aus der Seele gesprochen.

  14. hotfix sagt:

    Du willst doch nur Emanzen aufreißen, könnte man denken ;-)

    Probleme zwischen den Geschlechtern entstehen doch oft erst durch das künstliche Problematisieren. Warum ziehen sich (viele) Frauen sexy an? Minirock um sich wohlzufühlen? Stilettos weil sie so bequem sind? Tiefer Ausschnitt wegen der besseren Belüftung? Bauchfrei weils grade so schön warm ist und Arschgeweih (zum Glück wieder aus der Mode) damit niemand hinschaut? und und und… oder ist es einfach ein Spiel mit den Reizen und soll das andere Geschlecht damit nicht zum hingucken aufgefordert werden um damit das eigene Ego zu polieren, oder Frau tatsächlich für potentielle Partner attraktiv sein möchte? Das gilt in anderen Ausprägungen natürlich auch alles für Männer. Müssen die Menschen heute die Unterschiede der Geschlechter abschaffen um politisch korrekt zu sein?

    Ist es sexistisch wenn ich meiner Frau schwere Sachen abnehme oder die Tür aufhalte.. Beschränke ich sie damit und spreche ihr die eigene Kraft ab? Sorry aber das sind für mich herbeigeredete Probleme… Gleichberechtigung muss nicht Gleichmacherei und Lust-Verbot bedeuten…

    Auch das man aufgrund des Geschlechts erstmal von unterschiedlichen Interessen und auch Fähigkeiten ausgeht halte ich für durchaus normal und nicht verwerflich. Muss man Ausnahmen zur Regel erklären damit man nicht als Sexist gilt? Ich glaube nicht. Mensch wird immer irgendwelche Schubladen benutzen um sein Umfeld einzuteilen. Teilweise aufgrund der Sozialisierung und grössten Teils aufgrund von Alltagserfahrungen. Man darf diese Schubladen eben nur nicht abschließen und muss sie von Zeit zu Zeit neu sortieren.

    Tatsächliche Benachteiligung aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, Behinderung oder sexueller Orientierung ist ein anderes Thema. Da muss man härter ran und gleiches Recht, gleiches Gehalt, gleiche Aufstiegsmöglichkeiten, gleiche Chancen in jeder Hinsicht für alle fordern und fördern. Auch indem man Unterschiede nicht verleugnet sondern versucht sie zu nutzen und wenn nötig auszugleichen.

    • @hotfix: Manche Menschen ziehen sich sich tatsächlich auch für sich selbst gut/hübsch/sexy an – und nehmen dabei Unbequemlichkeiten in Kauf. Witzigerweise schafft mein Mann das übrigens öfter als ich.

      Gentlemanverhalten ist dann sehr wohl sexistisch, wenn sich die Höflichkeit ausschließlich auf Frauen beschränkt. Hilfe anzubieten ist wohl jedem Menschen willkommen, der auch tatsächlich der Hilfe bedarf. Warum sollten Frauen hilfsbedürftiger sein als Männer – und dann auch nur von Männern diese Hilfe geleistet bekommen? Ich bin FÜR Respekt und Höflichkeit und Hilfe unter den Menschen. Aber bitte in alle Richtungen. “Gentlemen” zementieren da eine Unilateralität, die ich nicht unterstütze.

      “Das man aufgrund des Geschlechts erstmal von unterschiedlichen Interessen und auch Fähigkeiten ausgeht halte ich für durchaus normal und nicht verwerflich.” Verwerflich vielleicht nicht, aber unnötig. Andersrum würde es besser funktionieren. JA, es gibt Frauen, die interessieren sich mehr für Mode oder weniger für Technik. Der Prozentsatz dürfte auch nicht einmal so gering sein. Es ist trotzdem falsch, daraus Generalitäten abzuleiten.

  15. Cymaphore sagt:

    Ich nehme Frauen optisch anders wahr als Männer, weil ich eher heterosexuell bin. Das hat mit Sexismus nix zu tun.

    Was den Alltagssexismus angeht, da stimme ich Dir zu. Das steckt in vielen Menschen tief drinnen. Ich behandel da z.B. beim Thema Computer alle Menschen gleich. Ich muss aber vielen Frauen dauern predigen, dass sie das genauso gut können. Solange man sich ständig einredet man könne es nicht, kann man es nicht, weil man sich selbst davon überzeugt… m-(

    Und ich bin immer wieder überrascht über den Sexismus mancher Menschen. Sitze ich in der Bahn und nähe z.B. meinen aufgerissenen Rucksack dann bekomme ich mitunter von beiderlei Geschlechtern total überraschte Kommentare. Warum? Ein Mann der näht? … Weitergedacht … Den Fußball langweilt? Der sich gerne und mit adoptiv-schwäbischem Einsatz um seine Hausarbeit kümmert? Der insbesondere in einer Partnerschaft immer auch darauf besteht für die Reinigung des WCs zuständig zu sein, damit man ihm keine Vorschriften macht, wie er zu pissen hat? Und Zimmerpflanzen hab ich auch, unvertrocknet und quicklebendig. Ich verstoße ständig gegen irgendwelche Maßstäbe, an denen mich meine Umgebung aufgrund meines Geschlechts misst.

    Qualitative Wertung anhand von gesellschaftlich verankerten Geschlechterrollen nervt.

  16. Britta sagt:

    ‘Fine words!’ said the short-haired androgyne.
    ‘I mean them!’ said the God.
    ‘Pah!’ said the short-haired androgyne.
    At which point Angela Lister stood up and said, ‘You wouldn’t be so down on him if he had long hair, a beard and sandals…’ Which was, alas, quite true – since the men’s support group to the women’s circle comprised, entirely, doe-eyed men with a remarkable resemblance to Jesus as seen by the Pre-Raphaelites. Unfortunately, though they did much for feminist solidarity, they did not do a lot for female desire.
    Aus “Mavis Cheek: Mrs Fytton’s Country Life”

  17. Dan-einPirat sagt:

    Ich kann aber gleich sagen, wenn man Frauen genauso wie Männer behandelt ist ihnen das ganz und gar nicht recht. Ich praktiziere das schon seit vielen Jahren, spätestens seit meiner Bundeswehrzeit als Ausbilder, das ich keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen mache, sondern nach Körperlicher Belastbarkeit, Bildungsstand, unterschiedlich auf die Menschen eingehe. Ich möchte ganz gerne von den Menschen die sich als Frau fühlen wissen welche Vorteile sie bereit sind zu opfern um eine Gleichbehandlung der Menschen zu erreichen.

    @Dandii

    • Yuri sagt:

      Auch wenn du nur nach sich als Frauen fuehlenden fragst, antworte ich trotzdem mal.

      Dass sich viele Leute nur die Rosinen rauspicken wollen, ist schade, kommt aber vor und ist imho auch nicht zu vehrindern. Das heisst aber nicht, dass deshalb der ganze Gleichberechtigungsgedanke schlecht ist. Im Gegenteil: Diese personen diskriminieren ebenfalls und stehen diesem daher ebenfalls entgegen. Steht deshalb Leuten, die Diskriminierung ablehnen, keine Freiheit davon zu?

      Und: Ja, selbstverstaendlich bin ich bereit, auf etwaige “Vorteile” zu verzichten, um Gleichbehandlung zu erreichen. und zwar auf alle, die mit Dingen zu tun haben, die mit der behandelten Sache nicht in Zusammenhang stehen.

    • mueslikind42 sagt:

      Du siehst Männer anscheinend als die Norm an, an die Frauen sich anpassen müssen. Du sagst “Frauen wie Männer behandeln” und nicht “Frauen und Männer gleich/ wie Menschen behandeln.” Natürlich wollen Frauen nicht wie Männer behandelt werden, wenn das heißt, sich sexistische Witze anhören zu müssen (nur ein Beispiel).

      • Sex_ist sagt:

        Hm, er hat nur gesagt “Frauen genauso wie Männer behandelt” … Wer nicht auf Konfrontation aus ist kann das auch als “Frauen und Männer gleich behandeln” lesen. Ist möglich. Wenn Du willst. Und schon wär die Welt ein bisschen schöner. Das würde auch besser zum Rest seines Textes passen.

  18. Ich bin ein Alltagssexist. Ich schaue Frauen auf den Hintern und auf ihre Brüste. In der U-Bahn, im Supermarkt oder auch auf der Straße. Bikinischönheiten in Videoclips & Trailern finde ich sexy.

    Wenn mich Kolleginnen nach Programmfehlern in ihren Arbeitssystemen der EDV fragen, erkläre ich es ihnen anders, als wenn ein Mann mich fragt. Ich verändere das Niveau der Erklärung – nach unten.

    Ich habe innerlich das Vorurteil zementiert, dass Frauen im Büro zu emotional auf Kritik reagieren und verdrehe im entsprechenden Fall immer die Augen. Wenn ich aus dem Bürofenster jemanden beim Einparken beobachte, der sich besonders kompliziert anstellt, erwarte ich, dass eine Frau aus dem dann parkenden Auto aussteigt.

    Manchmal verwechsle ich Gentleman-Verhalten mit der Einschätzung, dass eine Frau selbst zu schwach ist und männliche Hilfe benötigt.
    Wenn ich Witze mache, rutscht das Niveau schon mal in den Keller und zementiert Rollenklischees: mal, weil ich es selbst lustig finde, mal, weil ich glaube, dass meine Gegenüber es lustig finden könnten. Und dann finden sie es am Ende auch noch lustig und bestätigen mich in meinem Fehlverhalten.

    Und wenn ich ehrlich bin: es nervt mich. Und das jeden Tag immer wieder. Ich weiß, dass dieses Verhalten falsch ist. Um genau zu sein, ist es sexistisch. Es entwürdigt andere Menschen, die nicht meinem Geschlecht angehören. Es erklärt sie zu Objekten, raubt ihnen einen Teil ihres Menschseins.

    Ich will das alles nicht vorleben, weil es prägt. Noch mehr, es verstärkt und bestätigt sich immer wieder selbst, will mich und andere in vorgegebene Förmchen packen. Förmchen, die nicht zu uns passen. Ich weiß das alles. Ich weiß das alles und dennoch finde ich mich immer wieder in diesem Förmchen.

    Ich versuche, mich nicht von ihnen formen zu lassen. Versuche auszubrechen, aufzuzeigen, aufzuklären. Es gelingt stellenweise, zeitweise, teilweise. Und dann, wenn ich nicht aufpasse, schnappt das Gummiband zurück und ich ertappe mich wieder dabei, in ihnen zu denken. In diesen Augenblicken schäme ich mich dafür. Vor mir und vor den anderen Geschlechtern.

    Dann versuche ich, mich zusammenzureißen, noch besser aufzupassen, noch mehr an mir zu arbeiten. Aber für je zwei Schritte vor kommt gefühlt ein Schritt zurück. Und es wird mir dabei nichts einfach gemacht. Es ist so erschreckend einfach, mitzuschwimmen. Ich kenne Frauen, die mit Technik besser umgehen können als ich, die stark und emanzipiert sind. Und trotzdem falle ich immer wieder in “typisch Frau”-Denkschubladen zurück.

    Ich wurde über die letzten 30 Jahre als Mann sozialisiert. Ich bin in einer sexistischen Umgebung aufgewachsen, mein Umfeld hat dieses veraltete Geschlechterbild eingefordert und selbst gelebt. Für meine Eltern und mein Umfeld waren die Vorurteile und kleinen Späße gegenüber dem anderen Geschlecht kein Problem, wurden auch nicht kritisch thematisiert. Meine Exfrau trennte sich von mir, weil ich dem reinen Harter-Kerl-Klischee nicht mehr angehören konnte und wollte. Danach flirtete ich erfolgreicher, wenn ich dieses Rollenbild aufsetzte.

    Heute weiß ich ob der diskriminierenden Handlungen und Aussagen, musste dieses Wissen aber erst in langen Gesprächen lernen. In langen Gesprächen, in denen mir die Opfer der kleinen Späße und der beleidigenden Äußerungen ihre Sicht, ihr Empfinden und ihre Rezeption dieses, meines Handelns erklärt haben.

    Es war nicht einfach, zuzuhören, nicht einfach, anzuerkennen, dass ich selbst der Unterdrücker war. Ich brauchte Zeit, zu verstehen, dass ich in dieser Gesellschaft bevorzugt behandelt werde. Ich glaubte, zu den Guten zu gehören und musste feststellen, dass ich trotzdem Schlechtes tat.

    Zum ersten Mal mit meinem Handeln konfrontiert sah ich mich gar selbst in der Opferrolle – der Feminismus will mich diskriminieren! Die Beispiele sexistischen Handelns empfand ich als Bedrohung, als Herabsetzung meiner selbst. “So bin ich nicht!”
    Heute weiß ich: Ich bin so.

    Aber ich will so nicht bleiben. Ich arbeite daran, in langsamen Schritten. Es ist ein schwerer Weg, der sich aber lohnt zu gehen. Und während ich so diesen Weg gehe, sage ich mir, wer und was ich bin, damit ich nicht so bleibe: Ich bin @trailerjunkie und @Rohrwallpirat und ich bin Alltagssexist. Ich arbeite weiter daran.

  19. ingejahn sagt:

    ich bin @ingejahn und alltagsrassistin und alltagssexistin. nervt mich voll.

    zur argumentation von @Dan-einPirat: weiblichen geschlechts zu sein heißt nicht automatisch, das damit verbundene rollenverhalten reflektiert zu haben. es gibt durchaus die möglichkeit, zu versuchen mehr oder weniger unhinterfragt mit den vorgegeben strukturen und regeln zurechtzukommen und sie auch soweit als möglich für sich zu nutzen. wobei die meisten frauen in ihrer biografie irgendwann mal an eine grenze stoßen , egal wie die “vorteile” aussahen, die sie “in anspruch” genommen hatten. alles hat seinen preis. und: du behandelst und die frauen sollen sich deiner behandlung anpassen. bitte das zu reflektieren.

    an alle anderen hier die kein problem haben, frauen sexualisieren – also nicht verstehen was falsch ist beim anblick einer frau nur an die eigene lust zu denken: der größte schock in meinem leben war, als ich als junges mädchen gemerkt habe, dass mein körper, meine bewegungen bei männern begierde erzeugte und sie der meinung waren ich täte es, um sie erregen. bis dahin glaubte ich, ich würde einfach nur als mensch existieren. auf einmal wurde ich als objekt sexualisiert. es fühlte sich entsetzlich an und traumatisierte mich.

    • Yuri sagt:

      Besteht aber nicht ein Unterschied zwischen “jemanden anschauen, weil mn ihn huebsch findet” [es einem also Freude macht] und “davon ausgehen, dass derjenige $DINGE tut, um bei einem sexuelle Erregung zu erzeugen”? Das ist selbstverstaendlich anmassender Unsinn, geht abe rnicht automatisch mit dem Erfreuen an schoenen $DINGEN [ich schreibe jetzt in Ermangelung eines besseren Sammelbegriffs "Dinge", auch wenn dies auf Menschen, Tiere und auch Pflanzen natuerlich eigentlich nicht zutrifft... das Prinzip ist aber doch das gleiche: Wenn man etwas als aesthetisch ansprechend empfindet, kuckt man es doch gerne an, oder? Ist das allein wirklich so falsch?].

      • ingejahn sagt:

        @Yuri – als ästhetisches objekt betrachtet zu werden erzeugt nicht in jedem fall ein angenehmes gefühl bei der als solches betrachteten person.

        • Yuri sagt:

          Wieso immer “Objekt”? Zumal: Wie soll man das verhindern? ich meine ja nicht, dass man Leute anstarren soll – aber “huebsch fidnen” impliziert doch ueberhaupt nicht, dass man denjenigen als Objekt betrachtet? Jedenfalls nicht bei mir, da bin ich mir relativ sicher.

          Und die Einteilung in “aesthetisch ansprechend” und “aesthetisch unansprechend” findet m.E. sowieso automatisch statt. Wobei ich letztere Personen allerdings eher nicht ankucke…

      • ingejahn sagt:

        @Yuri – du gehst von deinem impuls etwas für dich als ästhetisch empfundenes gerne zu betrachten. ich spreche von der betrachteten person, die sich dabei unwohl fühlt.

        den impuls habe ich selbstverständlich auch …. und keine patentlösung. aber ich weiß wie unangenehm es sein kann betrachtet zu werden, bzw. dem geschlecht anzugehören, dass hauptsächlich betrachtet und in ästhetisch ansprechend und ästhetisch unansprechend eingeteilt wird. DA sind wir dann auch bei sexistisch. und ein mann muss männlich sein, und nicht unbedingt ästhetisch ansprechend = sexistisch.

        sexistisch ist auch: frau = passiv (wird betrachtet) / mann = aktiv (betrachtet)

      • Yuri sagt:

        Also ich kann nun nicht unbedingt nachvollziehen, warum das vom Geschlecht abhaengt, ob man betrachtet wird. ICH schaue huebsche Menschen an [Geschlecht egal]. Es mag Leute geben, die nur ein Geschlecht aesthetisch ansprechend finden – aber inwiefern impliziert das, nur ein geschlecht wuerde ueberhaupt betrachtet? oder gar, irgendwer ‘muesse’ deshalb gut aussehen?

        Wenn ich jemandem sage, mir gefiele seine Frisur, implizierte das dann gleichermassen, dass ich 1. denjenigen als Objekt betrachte; 2. er die huebsche Firsur meinetwegen traegt; 3. er in irgendeiner Weise verpflichtet waer, huebsche Frisuren zu haben; 4. ich Menschen in “hat huebsche Frisur” und “hat keine huebsche Frisur” einteile?

        Ich sage nicht, dass die Ansicht “Frau muss huebsch sein” [mit oder ohne Zusatz "Mann nicht"] richtig oder nicht sexistisch ist. Das ist sie. Sie ergibt sich m.E. bloss nicht aus dem Betrachten von einem selbst als huebsch empfundener Menschen – auch nicht, wenn diese weiblich sind.

        Und wer sagt eigentlich, dass Frauen [und alle anderen nicht-maennlichen] nicht betrachten und Maenner [und alle anderen nicht-weiblichen] nicht betrachtet werden?

      • ingejahn sagt:

        so sollte es sein – aber so ist es (noch) nicht. gut, wenn du schon so denkst und reagierst. aber schau einfach dir einfach mal ein einem beliebigen zeitschriftenladen die covers an und wie dort die geschlechter dargestellt werden.

        wie wird ein junge sozialisiert und wie ein mädchen? um welches geschlecht geht es bei germanys next top modell? welches geschlecht betrachtet den playboy? welches geschlecht wird betrachtet?

        usw.

      • Yuri sagt:

        Das sind aber doch ganz andere Baustellen. Ich habe ja nicht gesagt [oder nicht sagen wollen], dass Frauen/Maedchen medial haeufig anders behandelt werden als Maenner/Jungs und dass bei ersterem meist mehr Augenmerk auf dem Aeusseren liegt. Aber das heisst doch dadurch nicht, dass immer, wenn man ein Maedchen anschaut, das ganze damit in Zusammenhang steht oder man es gar befuerwortet.

        Was ich sagen will: Die Intention kann vielleicht durchaus sexistisch sein oder sexistische Ursachen haben, die Tat ist es aber nicht zwingend. Genauso, wie wenn ich einem Maedchen die Tuer aufhalte – kann sexistische Motive haben ["Maedchen muss man die Tuer aufhalten"] oder nicht ["anderen Menschen die Tuer aufzuhalten ist freundlich"] ;)

      • ingejahn sagt:

        gebe ich dir vollkommen recht mit der intension – es ist möglich einen anderen menschen anzuschauen, schönheit, erotik und persönlichkeit zu sehen, sozusagen mit dem herzen und es schlicht möglich einfach nur einen hintern und titten zu sehen. ;-)

  20. jok sagt:

    Hallo, wieso ist denn auf den Hintern und die Brüste gucken sexsistisch?
    Die anderen Sachen sehe ich ja ein. Die gehören aber in den Bereich Vorurteile.

  21. ingejahn sagt:

    @jok eines von mehreren möglichen wiesos steht im absatz genau über deinem post

  22. Ich bin eine Alltagssexistin. Und täusche mich oft genug selbst in dem Glauben, keine zu sein: Ich schaue Menschen nicht auf die Geschlechtsteile, sexistische Mechanismen in Werbung u.a. kann ich schnell identifizieren und finde sie doof. Ich sperre mich gegen künstlich gegenderte Schreibung, Quoten etc., und begründe es damit, dass ich Frauen einfach keine Sonderrolle aufgrund ihres Frau-Seins zuschreiben will, die sie meiner Meinung nach nicht nötig haben.
    Trotzdem habe ich Rollenklischees im Kopf und werde diese nicht los. Doppelt schlimm, weil ich diese sowohl über Männer als auch über Frauen habe.

    Ich erwarte von Männern, dass sie sich mit Technik auskennen und bin überrascht, wenn sie es nicht tun. Im Gegenzug bin ich bei Frauen überrascht, wenn ich auf welche mit technischem Sachverstand treffe – obwohl ich mich selbst zu ihnen zählen würde. Wenn Männer Kochen als Hobby nennen und kein Rad wechseln können, werde ich stutzig und habe Mühe, das in mein Weltbild einzuordnen. Für Frauen, die an Autos schrauben aber dafür nicht kochen können, gilt dasselbe. „Typisch Mann/Frau“ – dieser Gedanke beschleicht mich des Öfteren.

    Machismen und Herumgeprolle regen mich fürchterlich auf. Und doch denke ich mir manchmal: „Meine Güte, sei doch mal ein Mann“, meine damit, sich nicht so schwach zu präsentieren, und habe damit Schwäche mit Frau-Sein konnotiert und Männern das schwach sein abgesprochen.

    Ich finde es grässlich und entwürdigend, wenn Frauen den Häschenbonus ausspielen und mit Kullerblicken Männer dahin manipulieren, Dinge für sie zu tun, die ihnen selbst zu mühsam sind. Trotzdem betrachte ich dieses Verhalten als die Norm und stelle damit alle Frauen unter Generalverdacht.
    Und mit jedem Individualbeispiel, das zufällig in mein Denkschema passt, fühle ich mich bestätigt.

    Und wenn ich ehrlich bin: es nervt mich. Und das jeden Tag immer wieder. Ich weiß, dass dieses Verhalten falsch ist. Um genau zu sein, ist es sexistisch. Es entwürdigt andere Menschen, egal welchem Geschlecht sie angehören. Es erklärt sie zu Objekten, raubt ihnen einen Teil ihrer Menschseins – und ihrer Individualität.

    Ich will das alles nicht vorleben, weil es prägt. Noch mehr, es verstärkt und bestätigt sich immer wieder selbst, will mich und andere in vorgegebene Förmchen packen. Förmchen, die nicht zu uns passen. Ich weiß das alles. Ich weiß das alles und dennoch finde ich mich immer wieder in diesem Förmchen. Ich versuche, mich nicht von ihnen formen zu lassen. Versuche auszubrechen, aufzuzeigen, aufzuklären. Es gelingt stellenweise, zeitweise, teilweise. Und dann, wenn ich nicht aufpasse, schnappt das Gummiband zurück und ich ertappe mich wieder dabei, in ihnen zu denken. In diesen Augenblicken schäme ich mich dafür. Vor mir und vor den anderen Geschlechtern.

    Dann versuche ich mich zusammenzureißen, noch besser aufzupassen, noch mehr an mir zu arbeiten. Aber für je zwei Schritte vor kommt gefühlt ein Schritt zurück.
    Dabei wurde es mir in meiner Sozialisierung doch so einfach gemacht. Ich habe als Kind mit Barbies UND Autos gespielt, habe „Wendy“ gelesen UND mir beim Bäumeklettern die Knie aufgeschürft, habe mit meiner Mutter in der Küche gestanden UND mit meinem Vater Fußball gespielt. Meine Eltern hatten zwar trotz Doppelvollbeschäftigung eine relativ klassische Rollenverteilung, ich selbst aber wurde in kein Rollenkorsett hineingesteckt und meine Interessen haben schon immer jedes Geschlechterklischee gesprengt. Allerdings wähn(t)e ich mich dadurch in einem Sonderstatus und ertapp(t)e mich dabei, dem Großteil der anderen Menschen eine ähnliche Vielseitigkeit abzusprechen.

    Heute weiß ich, dass diese Ansicht sexistisch ist. Ich glaubte, als Frau automatisch zu den Guten zu gehören und musste feststellen, dass ich trotzdem Schlechtes tat.
    Zum ersten Mal mit meinem Handeln konfrontiert sah ich mich gar selbst in der Opferrolle – der Feminismus will mich zum Täter machen, dabei habe ich den Feminismus einfach nur schon überwunden! Die Beispiele sexistischen Handelns empfand ich als Bedrohung, als Herabsetzung meiner selbst. „So bin ich nicht!“
    Heute weiß ich: Ich bin so.

    Aber ich will so nicht bleiben. Ich arbeite daran, in langsamen Schritten. Es ist ein schwerer Weg, der sich aber lohnt zu gehen. Und während ich so diesen Weg gehe, sage ich mir, wer und was ich bin, damit ich nicht so bleibe: Ich bin @heliantje und ich bin Alltagssexistin. Ich arbeite daran.

  23. feydbraybrook sagt:

    Vom Krankensofa aus sah ich eine Sendung zur Frage “Rollenteilung”, irgendwann letzte Woche im Fieber. Anwesend waren ein erfolgreicher Friseur mit Frau und Familie (zuhause), eine Karrieristin, der der Mann zu wenig erfolgsorientiert war, ein Beauftragte f. Feminismus aus Berlin und ein Familientherapeut und Eheberater.

    Und kein Soziologe.

    Warum nicht? Die ganze Zeit ging es etwa so:
    Friseur: Mann muß eben viel arbeiten, da sonst nicht erfolgreich und somit kein Nest. Frau will Nest.
    F.-Beauftragte: altmodisch. Moderne Frauen können alles genauso gut wie Männer, Männer müssen moderner denken.
    Karrieristin: ich bin modern, ich will aber keinen “kinderlieben” Waschlappen. Und Karriere will ich auch machen.
    Therapeut: Männer und Frauen müssen miteinander reden. Rollenteilung ist RollenVERteilung.

    Ein Soziologe hätte vielleicht mal darauf hinweisen können, wo die Funktionslogik des Friseurs herrührt und das trotzdem nicht auf ewig determiniert ist. Also so “Ja, Menschen können sich kollektiv gegen Unterdrückung entscheiden.

    Nein. die 45 Minuten waren eine Endlos-Schleife, bestehend aus Sozialdarwinismus und Feminismus. Ich hatte danach garantiert 1°C mehr!

    http://feydbraybrook.wordpress.com/

  24. @DudeMinds sagt:

    Hallo, ich bin Mathias und ich bin kein Altagssexist.

    Klar gibt es Situationen wo ich Frauen gerne auf den Hintern schaue und es kommt schon mal vor wie ich mich dabei erwische ihnen auf die Brüste zu schauen. In den meisten Momenten schaue ich ihnen aber ins Gesicht. Wenn mich Frauen nach einem Sachverhalt fragen, erkläre ich es ihnen ähnlich wie wenn mich ein Mann fragt. Die Art und Weise aber, wie ich jemanden einen Sachverhalt erkläre, kommt auf den Menschen an der fragt.

    Ich habe keinen Führerschein, deshalb überhole ich sehr selten jemanden auf der Straße. Finde es aber als Beifahrer immer wieder interessant, welche inneren, archaischen Gefühle das Autofahren bei den Menschen auslöst und diese sich, trotz ihrer Unterschiedlichkeit, doch sehr ähneln. Ich habe außerdem die Erfahrung gesammelt, das ich lieber der Beifahrer einer Frau bin, als die von einem gestressten, mit Testosteron voll gepumpten Mannes. Ich habe es lieber harmonisch, als hektisch oder genervt.

    Ich kann über sexistische Witze lachen, genauso wie ich über perverse Scherze lachen kann. Je morbider desto besser :) Über was ich nicht lachen kann ist wenn der Scherz ernst gemeint, also nicht lustig sondern offen diskriminierend bzw verletzend sein soll.

    Da ich eigentlich nicht so alltagssexistisch bin, wie es meine Artgenossen sind, werde ich von sexistischen Menschen oft als recht weiblich wahrgenommen. Verletzend wird es, wenn mich deswegen viele (meist sehr unreflektierte Menschen) für schwul halten und meinen einen damit auch noch diskriminieren zu müssen. Wenn ich von einem homosexuellen Menschen dagegen angebaggert werde finde ich das, sofern nicht aufdringlich (gilt auch für Frauen), schmeichelhaft aber versuche die Sache dann auch schnell zu klären. Das führt dazu das ich mich in “sexistischer Umgebung” zwar krass unwohl fühle, aber meistens versuche nicht aufzufallen und irgendwie doch “reinzupassen”. Das ist etwas an dem ich arbeiten muss, aber in der Regel ist es (so hab ich gelernt) ein Kampf gegen Windmühlen.

    Das ich anders bin als die Masse ist mir (nicht nur anhand dieses Beispieles) bewusst.

    Ich glaube das viele sexistischen Menschen ihre Unsicherheit dahinter verbergen, sexistisch zu sein. Außerdem zeugt es meiner Meinung von Ängsten sich mit ihrer eigenen Schwäche auseinander zu setzen. Mir ist aufgefallen, das Frauen, die vermeintlich nichts gegen den ihnen gegenüber aufgebrachten Sexismus haben, versuchen dadurch Anerkennung beim Gegenüber zu erlangen. Das finde ich schade, da sie sich dadurch in ein Rollenklischee drängen lassen was für den sexistischen Menschen eine Bestätigung ihres Handelns darstellt.

    Ich war nie so der Täter, habe mich in Partnerschaften meistens untergeordnet. Musste feststellen das meine Expartnerinnen damit nicht klar kamen und mich für männlichere Partner verließen. Unter der Tatsache leide ich noch heute.

    Deshalb, als bei den Piraten die Genderdebatte los ging, fühlte vor allem ich mich diskriminiert. Ich habe die Piraten nie als sexistisch wahrgenommen (was vielleicht auch am LV Berlin liegt) deshalb wollte es mir auch nicht in den Sinn warum wir so eine Diskussion in der Partei bräuchten.

    Ich kann mich noch an den Transgenderpiraten auf dem bpt09 erinnern der genau das Aussprach was ich dachte: Sinngemäß ging es darum, dass mit Genderpopenda er sich als jemanden der nicht in dieses klassische Geschlechtersystem passe nicht beachtet oder unterdrückt fühlt. ( Ich hatte den Redebeitrag nicht komplett mitbekommen, da ich gerade von der Unisextoillette kam ;) )

    Mittlerweile ist mir aber in unserer erneuerten, an Mitglieder gesteigerten Partei aufgefallen, dass viele Piraten, gerade die aus sehr konservativen Kreisen genau das machen, was mir in der Partei im Jahre 09 nicht im geringsten Kopfzerbrechen bereitet hatte: Sie sind offen sexistisch und sehen kein Problem damit. Das so etwas in unserer, doch sehr progressiven Partei immer mal wieder vorkommt finde ich doch sehr bedenklich. Vielleicht ist jetzt langsam die Zeit das sich die Piraten mit Genderthematiken beschäftigen sollten. Und das sage ich obwohl ich mich Ewigkeiten dagegen gewehrt habe. Deshalb finde ich euren Kommentar hier recht gut und hoffe das es der Start in eine Debatte wird die frei von Ideologien ist und die von der Gesellschaft antränierten Rollenklischees innerhalb und außerhalb der Partei aufbricht.

    Grüsse,
    M.

    Ps:
    Werbetafeln mit halbnackten “Bikinischönheiten” *kotz* drauf finde ich abartig und frage mich warum die Leute so doof sind auf den Marketingscheiß rein zufallen.

    • Lotterleben sagt:

      Hmm, ist „Ich habe außerdem die Erfahrung gesammelt, das ich lieber der Beifahrer einer Frau bin, als die von einem gestressten, mit Testosteron voll gepumpten Mannes. Ich habe es lieber harmonisch, als hektisch oder genervt.“ nicht auch ein bisschen sexistisch?

      • @DudeMinds sagt:

        Verstehe was du meinst….vielleicht ein wenig. Denke aber das dies eher mit meiner Ablehnung zu tun hat im Straßenverkehr aus Prinzip auf andere Autofahrer zu schimpfen und das machen laut meiner Erfahrung größtenteils Männer. Bei Frauen scheint mir dies nicht so ausgeprägt zu sein.

      • Yuri sagt:

        Aber genau das ist doch eben der Sexismus… von Haeufung auf ein inhaerentes Prinzip schliessen. Denn irgendwie impliziert das ja schon, dass es irgendwie mit biologischer Weiblichkeit zu tun haette, wenn jemand beim Autofahren nicht poebelt oder besonnener faehrt.

        Ich zumindest teile deine Erfahrung auch nicht, aber das ist ein anderes Thema.

        • Yuri sagt:

          Die Frage ist halt, ob man als Nicht-Betroffener ironisch und reflektiert Witze ueber Klischees machen kann. Wobei ich diese Frage hier nicht beantworten will. Ich finde auch viel Klischeezeug witzig, aber oft eben auch mit der Konnotation “ich bin ja nicht so”, obwohl solche Witze vielleicht grade die Klischees, gegen die ich mich straeube, zementieren.

          Wobei das ganze mittlerweile etwas abstrakt ist und ich mich grad nicht befaehigt fuehle, das so pauschal zu beurteilen.

      • @DudeMinds sagt:

        @Yuri

        Ich glaube ich versteh so langsam was ihr beiden meint. Natürlich ist es nicht so das proforma alle Frauen gleich besonnener Autofahren, das liegt an dem Menschen der das Fahrzeug bedient und vor allem an deren Charakter. Nur bin ich in meinen Leben schon oft als Beifahrer in einem Auto gesessen und mein subjektiver Eindruck ist nunmal: Die Kerle pöbeln eher und lauter.
        Ich mach mir darüber aber mal noch genauer Gedanken. Möglicherweise bin ich da dann doch sexistisch.

    • Michael Jespersen sagt:

      “Musste feststellen das meine Expartnerinnen damit nicht klar kamen und mich für männlichere Partner verließen. Unter der Tatsache leide ich noch heute.” Jepp, das kenn ich auch zur Genüge. Z.B. ist das Projekt Hausmann und Vater grandios gescheitert, weil die Frau es nicht erträgt, wenn der Mann zuhause bleibt. Diese Erfahrung teilen viele Männer, die sich auf das Experiment eingelassen haben. Ich sage ausdrücklich viele, nicht alle! Viele (nicht alle!) Frauen kommen da mit ihrem Wunschdenken und der Realität nicht zurecht. Zum Schluß ist Mann dann halt das Weichei. Ich kenne aber auch Beziehungen, in denen die umgekehrte Rollenverteilung funktioniert, die sind aber die Minderheit.

      • Yuri sagt:

        Das heisst doch dann aber eher, dass auch diese die gesellschaftlichen Rollenbilder noch nicht ueberwunden haben, oder? Zumal ich es generell fuer fragwuerdig halte, das eigene Verhalten an etwaigen Reaktionen bzw. dem Ge-/Missfallen der Umgebung auszurichten. Sollte man sonst ja auch nicht tun [finde ich].

        Ich faende es zumindest genauso falsch, wenn ich anderen die Schuld fuer meine persoenlich empfundenen haesslichen Klamotten/Frisur/whatever gaebe, bloss, weil anderen das, was in diesem Bereich mir gefaellt, nicht zusagt. Aeh, komisches Beispiel, sorry.

      • @DudeMinds sagt:

        Interessant das ich da nicht der einzige bin. Ich kann mir da auch andere Partnerschaften vorstellen wo niemand die klassische Männer oder Frauenrolle übernimmt. oder nur tendenziell eher. Im Endeffekt geht es darum wie man mit seinen Partner harmoniert, da ist es eigentlich egal wer der Mann oder Frau in der Beziehung ist ;)

      • levampyre sagt:

        Sind nicht Beziehungen, die funktionieren, sowieso die Minderheit? Ich höre dieses Argument immer, wenn es um Polyamorie geht. Das würden ja die wenigstens hinkriegen und die meisten trennen sich dann auch wieder. Ja, das gilt ja für monogame Beziehungen auch, dass sie oft in die Brüche gehen, warum auch immer. Beziehungen sind eben komplex und wir neigen nicht immer dazu, unsere Partner mit Kopf und Vernunft zu wählen, im Gegenteil. Das betrifft aber alle Menschen in allen Beziehungsformen. Auch da müssen wir lernen zu differenzieren: Ein Mensch, der im Bett Spaß macht und danach ganz rosarot ausschaut, der muß sich nicht auch für eine längere Partnerschaft mit Familie eignen. Wenn sich der Partner nicht als das entpuppt, was man wollte, hat dann die Frau falsch gewählt oder der Mann oder vielleicht beide? Eine Beziehung ist ja immer eine Sache von mindestens zwei Menschen. Daher ist nie nur einer der Partner dafür verantwortlich, wenn eine solche in die Brüche geht. Meines Erachtens müssen wir uns nicht nur als Menschen mit einem Geschlecht fern von Rollenklischees neu entwerfen, wir müssen auch unsere zwischenmenschlichen Beziehungen fern von entsprechenden Klischees neu entwerfen. Die Idee vom starken Mann, den Frau sich als Partner wünscht, ist genauso ein Klischee und Frauen sind selbstverständlich auch nicht frei von solchem Denken. Männer emanzipiert euch, erkämpft euch das Recht Hausmänner sein zu dürfen, ohne von Frauen, von Chefs, von Kumpels für schwache Waschlappen gehalten zu werden! Erkämpft euch das Recht euch als Menschen fern von Männlichkeitsklischees zu enwerfen!

    • sanczny sagt:

      @dudeminds

      klar bist du sexist, und zwar sehr offensichtlich. über sexistische witze zu lachen ist sexismus und nicht lachen über sexismus. und sich verletzt zu fühlen, weil dich “meist sehr unreflektierte menschen” für schwul halten, ist nichts weiter als homophob, und da bist du unreflektiert, nicht andere.

      • @DudeMinds sagt:

        Ich lache über so ziemlich jeden Scheiß. Das ich Horrorfilme sehe macht mich jetzt auch nicht zum Gewaltverbrecher.
        Und Überhaupt:
        Wenn du, weil man weibliche Verhaltensmuster aufzeigt, als Schwuchtel bezeichnet wirst und das anprangerst ist du also homophob. interessant. Danke für deine Weisheiten -__-

      • Yuri sagt:

        Homophob macht dich das imho nicht. Allerdings finde ich schon, dass ein lachen ueber sexistische Witze diese mitunter legitimieren kann. Und ja, viele nehmen sowas – zumindest zum Teil – ernst. Und viele fuehlen sich vor allem davon auch diskriminiert.

        Wobei ich persoenlich das dann fuer gewoehnlich eben so sehe, dass derjenige ein [sry] Spacko ist, mit dem ich mich nicht weiter abgebe. Genauso wie bei anderen Leuten, deren Ansichten ich nicht teile.

      • sanczny sagt:

        zum ersten teil: äpfel-mit-birnen-vergleich. wer nicht sexistisch ist, findet sexistische witze einfach nicht lustig.

        zum zweiten teil: von beschimpfungen als schwuchtel war in deinem ursprünglichen kommentar nicht die rede, sondern davon, als schwul diskriminiert zu werden. du kannst ersteres nicht als bekannt voraussetzen wenn du es jetzt erst hinterher schiebst.

      • @DudeMinds sagt:

        @Yuri

        Ganz klar! Wenn man über noch so dumme Scherze sich einen ablacht zeugt das nicht von einer hohen Geisteshaltung und ich hab dann auch keinen Bock mich mit solchen Leuten zu befassen. Man kann aber auch reflektiert über etwas lachen. Ich kann auch über miese Scherze über mich lachen, und meistens sogar am lautesten.

        Ein guter Freund von mir ist Jude und macht regelmäßig Judenwitze. Das heißt nicht das er ein Antisemit ist sonder eher mit den Klischees spielt, und das halte ich für gesund.

        @sanczny
        Siehe oben
        Zum 2ten:
        Was willst du von mir hören? ich bin eher weiblich als männlich und deshalb schwul? bin ich aber nicht.

      • Yuri sagt:

        Irgendwie ist der Kommentar oben an der falschen Stelle gelandet… daher nochmal hier:

        Die Frage ist halt, ob man als Nicht-Betroffener ironisch und reflektiert Witze ueber Klischees machen kann. Wobei ich diese Frage hier nicht beantworten will. Ich finde auch viel Klischeezeug witzig, aber oft eben auch mit der Konnotation „ich bin ja nicht so“, obwohl solche Witze vielleicht grade die Klischees, gegen die ich mich straeube, zementieren.

        Wobei das ganze mittlerweile etwas abstrakt ist und ich mich grad nicht befaehigt fuehle, das so pauschal zu beurteilen.

  25. Die Sexismus-Selbstreflektion krankt oft daran, dass Mann weiss (und zur Genüge gesagt bekommt) was illegitim ist, aber bei dem Thema ist wohl Überschreiben ist das wirkliche Löschen.

    Man kann sich selbst keine Verhaltensmuster entziehen ohne sich vorher möglichst konkret für neue Muster zu entscheiden.

    Erst wenn ich mir klar bin, wie ich anders mit verschiedenen Geschlechtern interagieren will, erst dann hab ich die Chance, es auf die Weise nicht mehr zu tun, die ich an mir selbst als mangelhaft erkenne.

    Nun habe ich das Glück, mit 2 älteren Schwestern aufgewachsen zu sein, im Osten.

    Dort konnt ein Mann Blumen plückend eine Traktoristin grüssen, ohne sich schräg vorzukommen.

    Ich zitiere mal einen Beitrag Bekannten zu einem ähnlichen Thema:

    (Zitat Anfang) “So waren wir im Osten seinerzeit wohl deutlich unverkrampfter und experimentierfreudiger, da wir von dem sexfeindlichen und verklemmten Weltbild der katholischen Kirche verschont wurden. Auch mit Begriffen wie Emanzipation konnten wir nichts anfangen, da wir von Kindesbeinen an so erzogen wurden, dass es nichts gibt auf dieser Welt, was eine Frau nicht genausogut wie ein Mann bewerkstelligen könnte. Frauen in Führungspositione und als Autorität waren ein Selbstverständnis. Hier musste sich keine Frau emanzipieren. Wovon auch?
    Eine kleine Anekdote hierzu: Zur Wendezeit gab es auch in Potsdam eine ganze Reihe besetzter Häuser. Nun wurden aber gerade viele Kreuzberger nicht müde, uns armen unwissenden Ossis den Punkrock und die Welt zu erklären und auch die armen Mädels aufzuklären, wie sehr sie sich doch von den Männern ausbeuten liessen. Auf solche Agitationsversuche aber legte Mann und Frau in Potsdam aber so überhaupt keinen Wert, betreutes Denken kannte man dort schliesslich zur Genüge! Und so begab es sich, dass selbsternannte Kreuzberger Frauenrechtlerinnen von Potsdamer Punkerinnen mit Schimpf und Schade aus der Strasse gejagt wurden mit den Worten “Verpisst euch ihr Fotzen, ihr müsst mal ordentlich gefickt werden”! (Zitat Ende)

    Leider fand ich hier in Hamburg das gewohnte Denken meist nur in “subkulturiger Szene” wieder.

    • „Verpisst euch ihr Fotzen, ihr müsst mal ordentlich gefickt werden“ – Da haben wir genau den Teufelskreis. Wenn man glaubt, die Opferseite in der Sexismusdebatte überwunden zu haben und auf einmal auf der Täterseite ankommt.

      • Nun, Antje, ich weiss was Du meinst, aber das Argument sticht nicht gut.

        Man beachte, es waren die Frauen, die sich nicht von missionierenden Femministen in einen Geschlechterkampf rekrutieren lassen wollten, dessen Notwenigkeit sie in ihrer Lebenssituation nicht spürten.

        Denn, das muss ich sagen, in meiner Generation war man im Osten auf sehr unspektakuläre Weise gleichberechtigt.
        Nicht in jedem Bereich, klein in klein, aber auf sehr natürliche Weise, -die Unterschiede schätzend und nicht abschätzend betrachtend.

        Und missversteht mich nicht, ich will nix verklären, ich war bei den ersten Demos89 dabei, aber ich hätte die Gesellschaft und die Errungenschaften gern weiterentwickelt.

        Leider waren die verführerischen Fleischtöpfe aber nur mit DM zugänglich und der Osten wurde in die Kohlsche Republik resetet.

  26. Lasse sagt:

    Ein schöner Text, vor allem weil er zum Nachdenken anregt. Und zum Reflektieren, vor allem über sich selbst.

    Irgendwann nach dem Abi hab ich mir mal Gedanken gemacht: über die Schule, aber vor allem über die Lehrer. Da ist mir zum ersten mal so richtig klar geworden wie ein mensch geprägt wird. Die Lehrer haben zwar die gleichen Lehrpläne aber weit unterschiedliche Persönlichkeiten und Ansichten. Und deine Klassenkameraden, deine Gruppen in denen du sich herumtreibst, sie alle prägen dich.

    Das Weltbild, mein Weltbild, was heißt das eigentlich? Weltbild. Welt. Bild. Bild der Welt.
    Ich war zum Glück schon in mehreren Gegenden dieser Erde und konnte dort die Kulturen kennen lernen. Aber was eint Großstädte wie New York und Bangkok mit nem tunesischen Basar? Das Bild welches man dort über den Ort bekommt ist einzigartig und in seiner Gänze nur durch persönliche Anwesenheit erfahrbar. So sehr einen die modernen Medien oder bereiste Freunde lehren können, die Wirklichkeit tut dies viel differenzierter. Das Bild, welches man von der Welt erhält, ist quasi echter, ein wenig objektiver. Aber warum dieser gedankliche Ausflug?

    Kommen wir zurück zur Gruppe, z.B. die Freunde mit denen man öfters irgendwo bei Musik und Alkohol landet. Auch diese prägen das eigene Bild, vor allem die Sprache und Wahrnehmung der Umwelt. Auch ich habe mir irgendwo mal den abwertend gebrauchten Ausdruck “schwul” angeeignet. Und zwar ohne es zu merken, es ist ja nicht so dass man sich bei paar Bier und ner Playstation viel Gedanken über die Wortwahl macht. Ich habe es zum Glück recht bald gemerkt gehabt, aber es ist echt schwer da zu 100% auf seine Wortwahl zu achten, vor allem an einem Ort wo diese gebraucht wird. Und wie verhält man sich als Person, bei der Freunde in der Umgebung nicht an Bäumen wachsen, wenn eben diese im Umgang mit einander den Gegenüber abwertend mit “du Jude” anreden? Nicht das irgendein Bezug zum Volk/Religion bestand, auch wurde es in einem eher humorvollen jedoch immer noch abwertenden Sinn benutzt. Ich habe geschwiegen. Vielleicht war es feige, vielleicht auch weise in der Situation. Ich weiss es nicht.

    Zwei interessante Worte die nun in meine Überlegung passen sind Vorurteil und Schublade. Wobei eine Sache durch ein Vorurteil in eine Schublade einsortiert wird. Nehmt es mir deshalb nicht übel wenn ich diese Begriffe etwas durcheinander werfe.

    Ein Vorurteil ist ja erstmal nichts schlimmes, ja sogar etwas überlebensnotwendiges. Eine rote Farbe auf einem Tier signalisiert Gefahr. Dies trifft auf viele rote Tiere zu, andere haben es sich zu Nutzen gemacht aufgrund dieses Vorurteils in die Schublade “vorsicht giftig” gesteckt zu werden.

    Jetzt betrachte ich mal dieses tolle Beispiel “Frau am Steuer” (toll weil es sich hierfür eignet):
    “Wenn ich aus dem Bürofenster jemanden beim Einparken beobachte, der sich besonders kompliziert anstellt, erwarte ich, dass eine Frau aus dem dann parkenden Auto aussteigt.”
    Auch ich tue dies, aber warum? Als erstes sage ich hier ganz klar: Weil es am wahrscheinlichsten ist. Das habe ich einfach so festgestellt. Aber warum “erwarte” ich dies? Ist es reine Logik? Natürlich lieg ich am öftesten richtig wenn ich jedesmal eine Frau erwarte und die Wahrscheinlichkeit hierfür über 50% beträgt. Aber will ich mich bestätigt sehen? Oder will ich sehen dass ich mich geirrt habe und mir selber sagen können dass das mit der “Frau am Steuer” gar nicht stimmt?
    Und warum achte ich da überhaupt drauf? Wieso komm ich überhaupt auf die Idee diese Sache zu beobachten?

    Vor einem Jahr habe ich zusammen mit einer Frau (im Sinne der gesellschaftlichen Sozialisierung) einen Fußboden verlegt. Ohne dass ich ihre handwerklichen Fähigkeiten einschätzen konnte habe ich ihr etwas zu erklären versucht. Auf die Entgegnung “Nur weil ich eine Frau bin heißt das nicht dass ich nicht weiß wie das geht!” hatte ich in dem Moment keine Antwort. Aber ich habe mir Gedanken gemacht und festgestellt dass ich bei einem Mann wahrscheinlich die selben Tipps gegeben hätte.
    Ich bin quasi in die Schublade “der steckt andere wegen des Geschlechtsmerkmals in Schubladen” gesteckt worden. Also das Vorurteil das ein Vorurteil angewandt wurde. Und ich mache der Person keinen Vorwurf. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand aufgrund des Geschlechtsmerkmals so gehandelt hätte, ist bestimmt hoch.

    Anfangs sprach ich von Prägung, von einem Weltbild. Jeder Mensch hat von allem seine ganz eigenen Bilder im Kopf. Und diese Bilder entwickeln sich ständig. Jeder input legt sich irgendwo ab. Egal ob wir es direkt, indirekt oder unterbewusst wahrnehmen.

    Meine Oma fällt meinem Opa nicht ins Wort, umgekehrt schon. Mit meinen Eltern habe ich sehr viel Glück. Ich wurde nie geschlagen und feste Geschlechterrollen habe ich nicht wirklich kennengelernt. Dass dies nicht dem Normalzustand entspricht habe ich erst später gelernt.

    Zuerst habe ich gedacht ich schreibe hier noch etwas mit Gleichberechtigung hin, aber Gleichberechtigung drückt nicht dass aus was mir wichtig ist. Jeder Mensch ist anders und hat das Recht selber zu entscheiden in welche Schubladen er gesteckt wird. Und wenn ich es schaffe bekommt jeder von mir eine eigene Schublade.

    Dieser Text ist nicht in sich geschlossen, er ist auch keine ausgearbeitete Aussage. Er ist eine Arbeitsanweisung an mich und eine Grundlage für einen Dialog.

    Die eigene Entwicklung ist eine Lebensaufgabe. Vielleicht sollte man die eigenen Intentionen öfters hinterfragen. Gerne auch miteinander (und lieber im RL).

    Lasse

  27. Christian sagt:

    Jetzt kommt’s noch dicker: Ich bin nicht nur Alltagssexist, sondern auch Alltagsrassist und Alltagschrist! Ich muss dazu sagen, ich bin auch (ein wenig) geistig behindert. Das stimmt echt. Was ich damit sagen will, ist, wir Behinderte sind auch nicht immer besser als die anderen.

  28. ich bin Alltagsignoristin. Aber ich arbeite daran.

    Vielen Dank für den Artikel.
    Ich <3 die Diskussion und ich bin sicher: Stereotype lassen sich ändern. Durch Vorbilder. Ihr seid welche, lieber Acid, lieber HerrUrbach und alle Kegelclubberinnen.

  29. Stephan sagt:

    Glaubt ihr eigentlich, dass all sexistische (und rassistische) Verhaltensweisen allesamt “anerzogen” sind? Es gäbe ja auch die Möglichkeit, dass die Evolution ihren Teil dazu beigetragen hat. Letzteres – also eine Art biologistische Sichtweise – stößt meiner Erfahrung nach oft auf Ablehnung. Wie seht ihr das?

    • acid sagt:

      Die rein biologistische Sichtweise sozialer Konstrukte widerspricht eindeutig allem was heutzutage in Soziologie, Psychologie, Pädagogik & Philosophie des Geistes Konsens ist.

      Und das kann ich sagen, obwohl ich in all diesen Bereichen eigentlich nur an der Oberfläche gekratzt habe.

  30. Henno sagt:

    @ Stepan ganz einfach du bist Alltagsbiologist xD

  31. marinelli sagt:

    Vielen Dank euch Beiden für den Text, der seit Tagen in meinem Kopf rumrumort.
    Und seit grade eben weiß ich auch, was genau so rumort: Die Formulierung der Headline. Ich finde sie nicht sehr zielführend, und das kommt so:

    Können wir uns darauf einigen, daß Stereotypen, Abwertung usw Folgen von unempathischem Umgang mit Mitmenschen sind? Wer empathisch mit seinem Gegenüber umgeht, wird es nicht be- oder verurteilen oder darauf projezieren.
    Empathie fängt aber immer bei einem selbst an. Wer mit sich selbst nicht empathisch umgeht, kann das normalerweise auch nicht bei den Mitmenschen.

    Der Satz “Ich bin Alltagssexist” ist aber ziemlich abwertend und vor allem sehr absolut. Ich schätze euch auch nicht als Sexisten ein, jedenfalls nicht die ganze Zeit, denn sonst hättet ihr das gar nicht erkennen und unter euren sexistischen Anteilen leiden können. Ihr schiebt mit dieser Formulierung das Sexistsein ganz weit hoch in die Identifikationsebene. Ihr identifiziert euch aber gerade nicht mit euren sexistischen Anteilen, sonst gäbe es ja diesen Blogpost nicht. :-)

    In diesem Sinne: Mein Name ist Walter. Ich habe alltagssexistische Anteile und ich arbeite daran.

    PS: Sollte ich klugscheissend rüberkommen, tut es mir leid. Ich weiß, daß das vielen Menschen passiert, die sich mit Empathie und gewaltfreier Kommunikation beschäftigen. Sie dozieren darüber, weil sie es noch nicht schaffen, es zu leben. Aber ich arbeite daran :-)

    • acid sagt:

      Vielen Dank Walter!

      Jetzt habe ich mal eine andere Formulierung für Kritik an Bashen als die, die ich bislang kannte.
      Ich habe aber gerade erst in den letzten Tagen lernen dürfen, dass es gerade bei jenen, die du kritisierst, ein Schutzmechanismus darstellt, der für nötig empfunden wird.

      Auf den Absatz mit dem “können wir uns darauf einigen”, können wir uns gerne darauf einigen. Allerdings sehe ich schon, dass diese Definition weit über das hinaus geht, was im Allgemeinen darunter verstanden wird. Außerdem besteht dabei immer noch die Gefahr, dass ich Rollenbilder bestärke, aber das nur am Rande.

      Du hast Recht, das der Titel abwertend ist. Wir sehen uns durch unseren Text auch gar nicht abgewertet, sonst hätten wir ihn nicht geschrieben. Der Titel war eigentlich das, was von Anfang an fest stand. Es ging uns darum aufzurütteln. Aber wir haben schon einen Text über das “warum” geplant, den wir in Kürze umsetzen werden.

      Ich glaube, ich sollte mich auch mal mit Empathie und gewaltfreier Kommunikation beschäftigen :)

  32. Irene sagt:

    Mein Tipp: Gründet doch eine Selbsthilfegruppe!

    Die Ausdrucksweise (“ich bin Horst und ich bin Alkoholiker”) ist ohnehin von dort entliehen.

    Nachteil der Sexisten-Selbsthilfegruppe: Es sind keine Frauen dabei, die euch dafür loben, dass ihr so toll selbstkritisch seid und euch ändern wollt. Oder zumindest drüber reden.

  33. [...] ein paar Tagen ging dieser Blogeintrag auf Twitter herum. http://kegelklub.wordpress.com/2011/12/05/ich-bin-alltagssexist-aber-ich-arbeite-daran/ sehr empfehlenswert, keine Frage, und irgendwie brachte es mich mal ein bisschen zum Grübeln. Auf [...]

  34. Hollarius sagt:

    Alltagssexismus, Alltagsrassismus

    http://hollarius.wordpress.com/2011/12/08/alltagssexismus-alltagsrassismus/

    wurde ein bisschen inspiriert ;)

    LG Hollarius

  35. Tempus sagt:

    Ich bin Sexist und das ist gut so!

  36. [...] “Ich bin ein Alltagssexist. Ich schaue Frauen auf den Hintern und auf ihre Brüste. In der U-Bahn, im Supermarkt oder auch auf der Straße. Werbung mit leichtbekleideten Frauen darin finde ich gut.” Kegelklub: Ich bin Alltagssexist …. aber ich arbeite daran! [...]

  37. Sexist sagt:

    Aber ist das nicht gut das Menschen in Kategorien denken können, das sie Sachverhalte, Dinge, Tiere und Mitmenschen in Schubladen einsortieren, das sie vom Speziellen auf das Allgemeine schließen können ? Das das nicht immer optimal läuft, das auf manchen Schubladen ein häßlicher Stempel prangt sei unbestritten, genauso wie Menschen nicht immer gut sind. Daran lässt sich arbeiten, weiter so.
    Wer aber ändern will das ein Mensch in Kategorien denkt um Ordnung in das Chaos zu bringen … soll gegen Mauern rennen. Solange bis klar ist was mensch selbst ist.

    • acid sagt:

      Ich glaube nicht, dass wir das denken in Kategorien abschaffen können. Dafür habe ich mich zu viel mit Erkenntnistheorie beschäftigt ;)
      Aber es wäre mir wichtig, dass die Menschen ihre Vorurteile/Einstellungen hinterfragen. Und mich beschleicht das Gefühl, dass “was mensch selbst ist” meiner Meinung nach ganz anders aussehen könnte als deiner Meinung nach.

      • Sex_ist sagt:

        Keine Ahnung was ein Mensch zum Menschen macht. Wahrscheinlich seine Fehler. :) Aber was sind Vorurteile ? Sind das Urteile die man im Voraus fällt? Sind die schlecht ? Manche wahrscheinlich, aber warum ?
        Und warum ist Sexismus schlecht ? Was ist Sexismus wirklich ? Gibt es einen Unterschied zwischen Frau und Mann ? Hat das Konsequenzen ? Sollte man sich solche Fragen stellen bevor oder nachdem man die hungernden Kinder in Afrika gefüttert und die Obdachlosen in Deutschland durch den Winter gebracht hat ?

  38. [...] eines männlichen Feministen zum Alltagssexismus und wie er sich diesen bewusst macht (beim Kegelclub, einem feministischen Piratenblog / auf seinem eigenen Blog): Ich bin ein Alltagssexist. Ich schaue [...]

  39. [...] der grandioseren Texte zum Thema All­t­ags­sex­is­mus, beim Kegelklub. Frauen kön­nen studieren, zwis­chen Vol­lzeit– und Teilzeitbeschäf­ti­gung wählen oder [...]

  40. Eierplatz sagt:

    das frage ich mich auch…

  41. Angelite sagt:

    ich bin angelite und ich bin Alltagstroll..
    ich habe Vorurteile über fast alles und fast jeden! ich bin oft zynisch, herablassen und arrogant.. aber ich arbeite an mir.. die schlimmsten und besten Momente sind die, wenn mir mein Verhalten wie ein Spiegel vorgehalten wird. PEINLICH
    ich schätze Leute oft falsch ein, beurteile sie als inkompetent auf Grund ihres Äußeren, als langweilig oder oder oder
    an der Uni habe ich mal in der ersten Vorlesung meinen Prof für einen Hiwi gehalten, direkt gedutzt und hatte schon den Gedankengang”Oh Gott, wann kommt endlich der Prof? der Typ da verteilt ja sicher nur die Handouts!!”
    dummerweise hat sich rausgestellt, das es so ziemlich die beste Vorlesung war, die ich jemals besucht habe.. unterhaltsam, intelligent, lustig, AHA-Erlebnis. Und das der Mann kein Hiwi ist, sondern nur aussieht wie Karlsson vom Dach..

    es ist schwer, Vorurteile in alle Richtungen aufzubrechen (Sexismus, Rassismus,…) aber ich versuche mich echt zu ändern! ich bin sexistisch gegenüber anderen Frauen, was ebenfalls peinlich werden kann, wenn die nur aussehen wie Barbie aber in echt mehr auffm Kasten haben als irgendein sch** Atomphysiker.. gegenüber Männern bin ich auch sexistisch :-) auch ich neige dazu, Männer nach ihrem Aussehen zu beurteilen.. fail

  42. [...] Julia Schramm, als sie nach Postprivacy den Netzfeminismus für sich entdeckt hat. Nicht “Ich bin Alltagssexist“, sondern ein ehrliches “Ich bin alltägliches Sexismusopfer” wäre verständlich [...]

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