Die Ergebnisse der Genderumfrage durch den Kegelklub

Erstmal: Danke! Danke fürs mitmachen, fürs Unterstützen, für Kritik und Flausch. Über 1200 Piraten haben sich die Zeit genommen die Umfrage zur Geschlechtersituation der Piraten auszfüllen. Danke!

Die Genderdebatte – ein leidiges Thema, das in der Piratenpartei immer wieder auftaucht. Die Piraten sind bewegt von Fragen rund um Gender- und Geschlechterpolitik. Es wird gestritten, geflucht, geschrien und gelitten. Um der Debatte eine etwas sachlichere Richtung zu geben, haben wir uns entschlossen, eine Umfrage zu starten und die Mitglieder selbst zu fragen, was sie von der Debatte halten; mehr noch wollten wir wissen, welche Probleme es in der Partei gibt, wie die Partei sich selbst betrachtet und wahrnimmt und welche Rolle Geschlechterthemen spielen.

Grundsätzlich ist zur Umfrage folgendes zu sagen:
Sie ist durchaus belastbar, da sich über 1200 Piraten beteiligt haben. Mehr geht natürlich immer ;) , doch wir sind der Überzeugung, dass die Umfrage die Meinung der Partei recht gut widerspiegelt.

Natürlich gibt es hierbei auch ein paar Abstriche zu machen:
Grundsätzlich ist zu beachten, dass die Teilnehmenden wahrscheinlich an den Themen rund um Gender überdurchschnittlich interessiert sind. So ist davon auszugehen, dass sich tendenziell auch mehr Frauen beteiligt haben. Und natürlich handelt es sich bei den Befragten eher um aktive Mitglieder, die über die bekannten Kanäle (Twitter, MLs, Blogs) von der Studie erfahren haben und in der Partei verankert sind.
Und ja: Prinzipiell war es auch möglich, die Umfrage mehrmals auszufüllen. Hier vertrauen wir – genauso wie bei der Angabe zur Parteizugehörigkeit – auf die Ehrlichkeit der Teilnehmer. Die Ergebnisse jedenfalls legen nahe, dass hier keine Manipulation stattgefunden hat.

Ziel der Umfrage war es, eine subjektive Bewertung der Mitglieder zu geschlechterpolitischen Themen zu erheben. Entsprechend sind die Ergebnisse eine Bündelung der Meinungen der befragten Piraten und keine Aussage über eine “Gender-Wahrheit”.

Die Ergebnisse sind größtenteils wenig überraschend und bestätigen im Grundkern unsere vorher getätigten Hypthesen. Hypothesen sind essentiell für ein gutes Umfragedesign. An dieser Stelle wollen wir sie nun auch veröffentlichen, was wir vor der Studie aus Gründen der Beeinflussung vermieden haben, so dass eine Ergebnisoffenheit erhalten geblieben ist:

* Es gibt signifikante Unterschiede bei der Beantwortung des Fragebogens zwischen biologischen Geschlechtern (biologisch, weil sich danach in unserer Gesellschaft die Sozialisation richtet) √
* Es gibt bei Männern eine größere Übereinstimmung zwischen der Selbstbeschreibung und der Beschreibung des typischen Piraten als bei Frauen. – Unterschied ist nur sehr gering
* Frauen sind häufiger durch die Diskussionskultur demotiviert √
* Frauen lassen sich eher durch sympathische Amtskollegen, Vorgeschlagenwerden oder Unterstützung aus dem Umfeld motivieren √
* Frauen haben öfter den Eindruck, in der Piratenpartei immer, meistens oder eher als Frau wahrgenommen zu werden, als Männer, als Mann wahrgenommen zu werden. – ja, jedoch weniger als erwartet. Außerdem fühlen sie sich in der Piratenpartei wohler als in anderen Teilen der Gesellschaft
* Frauen nehmen mehr sexistische Kommentare in der Piratenpartei wahr als Männer. Sie haben häufiger als Männer den Eindruck, dass auf solche Kommentare nicht, mit Schweigen oder mit witzigem Kommentar reagiert wird. √
* Teilnehmende sind mehrheitlich gegen eine Geschlechterquote, eine Nicht-Quote finden sie tendenziell besser, sind aber auch gegen diese mehrheitlich. √

Die Hypothesen bestätigen sich größtenteils. Außerdem wird aus der Umfrage klar, dass die Genderdebatte mehrheitlich erwünscht ist. Nur nur rund 20% der Befragten erkennen die lexikalische Definition des Begriffs Feminismus an, was erklärt, wieso der Begriff Feminismus mehrheitlich negativ konnotiert wahrgenommen wird.
Was bedeuten diese Ergebnisse nun für uns?

Erstmal zeigen sie uns, dass die Debatte richtig und wichtig ist. Auch wurden unsere Bedenken bezüglich einer Quote bestätigt – nicht nur fehlt die Akzeptanz, auch zeigt sich deutlich, dass die beste Geschlechtergerechtigkeit durch einen weniger aggressiven Umgang miteinander zu erreichen ist.
Ihr könnt die Rohdaten runteladen und lustige Korrelationen herstellen – tut das ruhig. Die Powerpointpräsentation präsentiert nur eine erste Auswertung. Wir haben nach besten Gewissen personenbezogene Daten aus den Rohdaten herausgenommen, so dass eine eindeutige Zuordnung maximal unmöglich gemacht wird. Tobt euch also aus!

Die Umfrage hat gezeigt, dass eine undogmatische Auseinandersetzung mit dem Thema Geschlechterpolitik und Gender sehr wichtig ist, wenn wir eine offene Partei sein wollen, in der jeder partizipieren kann und will. Zur Zeit schrecken wir besonders Frauen und weiblich sozialisierte Menschen davon ab, Verantwortung zu übernehmen. Das steht nicht nur unseren Parteiprinzipien diametral entgegen, auch entgeht uns die Chance auf die aktive Beteiligung vieler engagierter, kreativer und fähiger Menschen, die sich gerne für die Piratenpartei einbringen möchten und die politische Landschaft durch neue Ideen bereichern könnten.

Geschlecht ist als Analysekategorie immer noch wichtig und darf nicht als überholt abgetan werden. Vielmehr muss es kreative Lösungen für eine geschlechtergerechte Politik geben. Auch jenseits der Quote. Die Umfrage liefert in dieser Hinsicht mehrere Hinweise darauf, welche Strategien für diese ambitionierte und sehr piratige Zielstellung hilfreich sein könnten, jedoch wollen wir diese nicht vorgeben, sondern vielmehr mit euch zusammen sammeln. Es ist enorm wichtig, auf die unterschiedlichen Sozialisationsmuster der Piratenmitglieder einzugehen, um jedem eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen und bei der Überwindung gesellschaflicht aufgesetzter Blockaden mitzuhelfen. Lasst es uns anpacken!
pdf-Präsentation der Ergebnisse: Kegelklubumfrage Auswertung

und der Datensatz: kegelklub_Umfragedaten

Video der Präsentation

16 Kommentare zu “Die Ergebnisse der Genderumfrage durch den Kegelklub”

  1. [...] trotz oder gerade wegen der Resonanz, die sie dafuer einfangen. Die Namen waeren zu viele, aber beim kegeklub kann man sich heute beispielsweise die Ergebnisse einer grossen Genderumfrage bei den … ansehen. Das Thema geht noch weiter als nur in die Genderdebatte; Zu Antira habe ich mangels [...]

  2. yrthy sagt:

    - Gab es zwischen m/f neben Unterschieden beim Beruf welche im Bildungsgrad/Alter und wie wurde dieser Bias berücksichtigt?

    - Welche Unterschiede sind signifikant (auf welchem Niveau) welche nur Zufall?

    - auf Seite 14: Warum sind die Werte von ‘allen’ identisch mit denen der ‘Männer’?

  3. Christian sagt:

    Ein paar Anmerkungen:

    Bei der Frage der Gleichberechtigung in der Gesellschaft:
    Wäre es da nicht interessant gewesen, diese nach Geschlecht getrennt zu stellen?
    Gerade bei dem Thema Familie liegt ja eigentlich eine Benachteiligung der Männer, jedenfalls aber eine rechtliche Ungleichstellung nahe. Schließlich ist es für einen Mann wesentlich schwerer Umgang mit seinem Kind zu haben oder das Sorgerecht bei unverheirateten Eltern zu erlangen.

    So ist die genaue Aussage etwas schwieriger nachzuvollziehen.

    Das die Genderdebatte nur auf Frauen bezogen ist stört ja auch eine nicht geringe Zahl an Piraten

  4. [...] ist der erste Schritt zur Besserung, heißt es ja. Aber ob die anderen mitziehen? Der Kegelclub hat jedenfalls vorgelegt und mit einer Umfrage und deren Auswertung begonnen. März 8th, 2012 in Fundstücke, Gedanken, Netzpolitik | tags: Frauen, Gender, Partei, [...]

  5. dingens sagt:

    Hi,

    da Ihr das Eintrittsdatum aus den Rohdaten rausgenommen habt.
    Ist der Anteil der weiblichen Neumitglieder mit der Zeit gewachsen?
    Gibt es da einen (egal wie kleinen) positiven Trend?

  6. Jean-Jacque-Goudeau sagt:

    Die Ergebnispräsentation war ja mal übelst schlecht. Genau wie die Einteilung der Kritiken am Ende. Bin zwar kein Pirat, aber ich hoffe dass die Partei dieses “Feministische UBoot” Namens Kegelklub ausschließt. Wie peinlich alleine der Artikel auf SPonline -.-

    Es wird “Pirat_Innen” geschrieben, was ja wohl gegen die postgender Position der Partei “versößt”(wiederläuft wäre wohl das bessere Wort). Inwiefern jetzt Parteisoldatentum in der Partei gefordert wird weiß ich nicht, aber wessen Geistes Kind die Verfasser dieser “Studie” sind, zeigt sich deutlich.

    Die Ergebnisse werden wertend und vor allem nicht neutral kommentiert. Die Zahlen hätten absolut gereicht – es zeigt sich erneut wessen Geistes Kind die Verfasser sind.

    Bsp. Folie 29: “Jedes dritte Mal wird ein solcher Vorfall belächelt, weggeschwiegen oder ignoriert.”
    Aus betretenem Schweigen wird ein weggeschwiegen, welches die ursprüngliche negative(betretenes) Reaktion in eine neutrale verfälscht.
    “Belächelt” ist ebenso negativ assoziiert und nicht das selbe wie “Lachen/witziger Kommentar”.
    Etwas zu ignorieren ist nicht das selbe, wie keine Reaktion zu zeigen (mag sein, dass manche Menschen nicht so gut differenzieren können; es soll ja auch Menschen geben, die Gleichstellung mit Gleichberechtigung verwechseln).
    Folie 29 zeigt sehr schön wie Ergebnisse vor allem negativ bewertet werden und Negatives in den Fordergrund gestellt wird. Man hätte auch:
    “Jedes zweite Mal war die Reaktion auf sexistisches Verhalten durch betretenes Schweigen, aktivem Kontern oder Thematisierung negativ.”

    Einfach nur schlecht und die versuchten Manipulationen sind auch noch offensichtlich zu durchschauen. Schlecht allerdings, dass der Rotz jeder Onlinezeitung zum Fraß vorgeworfen wurde – ich hoffe ihr werdet aus der Partei ausgeschlossen.

  7. Andreas Boxleitner sagt:

    Ich mag Statistiken, und deshalb finde ich die Umfrage sehr interessant, besonders die Schaubilder bei denen die Einschätzung des “typischen Pirats” mit den Selbsteinschätzungen der weiblichen und männlichen Mitglieder verglichen wird. Noch interessanter wäre es, wenn alle Parteien die gleiche Umfrage durchführen würden und man die Ergebnisse der Parteien miteinander vergleichen könnte.
    Einen kleinen Kritikpunkt habe ich aber:
    Wenn die Fragen bei der Umfrage genau so wie in der Präsentation gestellt wurden, dann verleitet im Satz “Hast Du in der Piratenpartei schon einmal sexistische Kommentare (z.B. “Macho-Sprüche”) mitbekommen?” der Einschub “(z.B. “Macho-Sprüche”)” dazu, dass manche die Frage speziell mit Kommentaren über Frauen assoziieren, andere aber vielleicht mit Kommentaren über Frauen und Männer, wodurch je nach Interpretation der Frage die Antworten anders ausfallen könnten als wenn die Frage neutral gestellt wird. Wenn später einmal die Umfrage wiederholt werden sollte, müsste man vermutlich die Fragen wieder genau so stellen, um die Ergebnisse vergleichen zu können, aber ohne den Einschub fände ich die Frage besser.

    • lotterleben sagt:

      Hallo Alex,
      der Einschub „Macho-Sprüche“ wurde bereits beim Start der Umfrage bemängelt und yep, du hast recht, das Beispiel ist unglücklich bzw. unausgewogen. Wir haben es bei der Umfrageerstellung und den Tests allesamt übersehen, aber draus gelernt. :)

  8. lootssl sagt:

    Würdet Ihr die Rohdaten vielleicht auch in einer Version zur Verfügung stellen, die sich ohne stundenlanges Rekodieren in SPSS verwenden lässt? Also numerische Antwortwerte und Codebook? Ich mache nämlich gerne “lustige Korrelationen”. Vielen Dank.

  9. Jane Bond sagt:

    Ich finde es ganz toll, dass ihr vom Kegelclub diese Gender-Umfrage gemacht habt!

    Zur Info: Ich bin parteilos.
    Mir geht es als Frau so, dass ich die Piratenpartei sehr interessant finde. Mich schreckt es aber sehr ab, dass so wenige Frauen dort Mitglied sind bzw. sichtbar in der Öffentlichkeit in der Partei aktiv sind. Ich habe keine Lust, mich mit einem mehrheitlich von Männern dominierten “Verein” herumzuschlagen, der die offensichtliche Benachteiligung von Frauen in unserer Gesellschaft auch noch negiert. So eine ständige untergründig laufende Geschlechter-Auseinandersetzung behindert doch Frauen laufend, ihre politischen Vorstellungen durchzusetzen.

    (Einige Fakten: Frauen erhalten immernoch 23 Prozent weniger Lohn für die gleiche Arbeit, Sexismus ist weit verbreitet im Alltag/Frauen werden als dumme Sexobjekte in der Werbung/in den Medien dargestellt, Gewalt gegen Frauen in der Familie ist weit verbreitet etc.).

    Ich finde es falsch, weil verschleiernd, als Partei z.B. nicht zu registrieren, wieviele Frauen und wieviele Männer in der Piratenpartei drin sind. Das ist doch Verschleierung. Ich will wissen wie die Entwicklung verläuft. Ob mehr Frauen eintreten und wie es ihnen in der Partei geht. Ob sie ihre politischen Ziele durchsetzen können.

    Ich bin für eine 50% Frauenquote in jeder Partei, denn sonst bleiben Frauen immer in der zweiten reihe, das sieht frau an allen Parteien. Nur bei den Grünen sind die Frauen in Machtpositionen gleich stark vertreten wie Männer. – Das ist so ziemlich das einzige, das die Grünen konsequent und richtig verwirklicht haben. Allerdings sind mir die Grünen seit der einführung der Agenda 2010 und von Hartz-IV (dem Armutsgesetz, von dem mehrheitlich arbeitslose Frauen betroffen sind!) zu neoliberal geworden.

    • f k sagt:

      Ich bin ganz deiner Meinung. Eine moderne und innovative, neue, GUTE Partei, der auch ich als Frau gerne beitreten würde, muss sich meiner Meinung nach mehr mit dem Thema der Gleichstellung und Gleichberechtigung beschäftigen und dieses auch zum Thema machen – sich also um eine Gleichstellung in der Gesellschaft bemühen und diese Bemühungen explizit ins Parteiprogramm aufnehmen: Gleiche Bezahlung für Männer und Frauen.
      Ich finde es auch wichtig, dieses Thema weiterhin parteiintern zu diskutieren und ja, auch ich bin für eine Frauenquote um Gleichberechtigung zum ersten Mal konsequent durchzuführen.
      Liebe Piraten, bitte nehmt dieses Thema ernst- es kann euch sonst eure Glaubwürdigkeit und vor allem viele Wähler und Erfolg kosten, denke ich

  10. Sven sagt:

    Ich muss mal etwas Off-Topic sagen das es schade ist, dass ihr die Daten nicht in einem freien Dokumentenformat veröffentlicht habt sondern als xls.
    Ansonsten krankt die Umfrage an den gleichen Problemen, welche alle Umfragen haben:
    Sie muss verkürzen und Begriffe verwenden, welche unterschiedlich gebraucht werden, was unweigerlich zu Fehlinterpretationen der Antworten führen wird, da auch die Antwortenden die Fragen teilweise fehlinterpretieren werden.
    Trotzdem einmal ein interessanter Einblick in die Partei, leider habe ich von der Umfrage zu spät erfahren um teilzunehmen.

    mfg
    Sven, Pirat.

  11. [...] Anlass zur Durchführung einer solchen Umfrage innerhalb der Piratenpartei fasst der Kegelklub wie folgt zusammen: »Die Genderdebatte – ein leidiges Thema, das in der Piratenpartei immer wieder auftaucht. [...]

  12. [...] zu bekommen und man könne bei einem gesellschaftlichem Problem keinen Zwang einführen. In einer Umfrage des Kegelclubs bei den Berliner Piraten kommen sie unter anderem zu dem Ergebnis gekommen: “Teilnehmende [...]

  13. Andreas sagt:

    Mir scheint, es haben sich ein paar Fehler eingeschlichen: z.B. Wird die Aussage Seite 30 “Die Hälfte der Pirat_Innen findet es wichtig, dass innerhalb der Partei über die Gender-Thematik diskutiert wird – allerdings stört viele, wie unsachlich diese Diskussion geführt wird.” nicht durch die präsentierten Daten gestützt. Und dass 33% der Frauen an der Genderdebatte stört, dass damit die Frauenquote als Massnahme wahrscheinlich würde, habt gleich gar nicht kommentiert. In den Rohdaten fehlt der Bezug zum Landesverband, kann es sein, dass besonders viele Frauen aus Berlin und Hamburg repräsentiert sind? Bitte überarbeiten.

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